Seit sich der Mensch seiner selbst als Mensch bewusst ist, malt er. Die ältesten erhaltenen Zeichnungen und Gemälde der Menschheit, zumeist in Höhlen und unter Felsüberhängen, sind in der jüngeren Altsteinzeit entstanden und damit bis zu rund 40.000 Jahre alt. Das ist durch Messungen mit der Radiocarbonmethode ziemlich gut gesichert. Friedrich Schiller hat die Frage, warum Menschen malen, auf seine Art beantwortet: „In seinen Göttern malt sich der Mensch.“ Was auf den ersten Blick nachvollziehbar wirkt, beantwortet aber die Frage bei näheren Hinsehen nicht wirklich.

Auffallend ist, dass speziell die Abbildungen von Tieren auf vielen Höhlenbildern häufig lebendiger und realistischer sind als solche von Malern späterer Zeiten. Womit sich die Frage stellt: Warum haben Künstler unterschiedlicher Epochen so unterschiedlich gemalt? Diese Kunstepochen und ihre Merkmale wollen wir Dir im Folgenden in einer Übersicht vorstellen.

Nebenbei bemerkt: Ist dir schon einmal aufgefallen, dass die ‚offiziellen‘ Kunstepochen erst mit der Romanik beginnen, so, als habe es vorher gar keine Malerei gegeben? Hat es aber, wie wir oben gezeigt haben, und natürlich haben auch zwischen der Steinzeit und der Romanik Menschen immer gemalt. Wir haben wundervolle bildliche Zeugnisse von den Römern und Griechen der Antike, aber schon etliche tausend Jahre vor ihnen sind Wandmalereien im alten Ägypten entstanden, und auf Kreta entwickelte sich um 2000 v. Chr. die Freskomalerei, die verblüffend naturgereue Porträts hinterlassen hat.

Dass wir alle diese künstlerischen Werke nicht in Epochen einteilen, liegt unter anderem daran, dass sie jeweils in einem mehr oder weniger eng begrenzten Raum entstanden sind, während fast alle heute so genannten Kunst-Epochen mehrere Länder, häufig den gesamten europäischen Kontinent, teilweise auch Nord- und gelegentlich auch Südamerika umspannen.

 

 

Die Kunstepochen im Überblick

Die Zahlenangaben in den Klammern solltest du immer nur als ungefähren Rahmen nehmen, weil je nach Land die jeweilige Epoche früher oder später begann oder endete. Trotzdem bieten dir die genannten Daten einen Rahmen, um die Entwicklung nachvollziehen zu können. Wenn du genau hinsiehst, erkennst du, dass sich die einzelnen Epochen zeitlich häufig stark überschneiden. Manche Kunstrichtungen, vor allem in neuerer Zeit, existieren sogar nebeneinander.

  • Romanik (ca. 1000 – 13. Jhdt. n. Chr.)
  • Gotik (ca. 12. -16. Jhdt.)
  • Renaissance (um 1420 in Florenz – ca. 1520)
  • Manierismus (ca. 1520 – ca. 1600, in Italien teilweise noch später)
  • Barock (Ende des 16. Jhdts. – gegen 1760)
  • Rokoko (ca. 1725 – 1780)
  • Klassizismus (ca. 1770 – 1840)
  • Romantik (ca. Ende 18. – Mitte 19. Jhdt.)
  • Realismus (ca. Mitte 19. Jhdt. – ca. 1925)
  • Impressionismus (ca. zweite Hälfte 19. Jhdt. – ca. Ende 19. Jhdt.)
  • Symbolismus (ca. Ende 19. Jhdt. – ca. 1920)
  • Jugendstil (ca. Ende 19. Jhdt. – Anfang 20. Jhdt.)
  • Expressionismus (ca. Ende 19. Jhdt. – ca. 1914)
  • Kubismus (ca. 1906 in Frankreich – ca. 1914)
  • Futurismus (ab 1909 in Italien – teilweise bis 1945)
  • Dadaismus (1912 – ca. 1920)
  • Surrealismus (ca. 1920 – ca. 1930)
  • Neue Sachlichkeit (ca. 1925 – Mitte der 1960-er Jahre)
  • Abstrakter Expressionismus / Tachismus (späte 1940-er – frühe 1960-er Jahre)
  • Pop-Art (Mitte der 1950-er Jahre gleichzeitig in Großbritanien und USA – Ende der 1960-er Jahre)
  • Neo-Expressionismus (ab 1980 – 1889)

 

Bei den seither auftretenden und immer „kleinteiliger“ werdenden Kunststilen wird heute in der Regel nicht mehr von Epochen gesprochen, wobei diese Bezeichnung schon auf die meisten Kunstrichtungen spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts genau genommen nur noch unzureichend zutrifft. Manche Leute haben schon vor mehreren Jahrzehnten vom „Ende der Malerei“ gesprochen, wobei du schon bei oberflächlichem Hinsehen erkennst, wie unsinnig das ist. Der Mensch malt fröhlich weiter, wie in der Steinzeit ganz ohne Einordnung in irgend welche Schubladen oder sogenannte Epochen.

 


 

 

Kunstepochen Zeitstrahl

Wir haben für dich alle Kunstepochen in einem Zeitstrahl übersichtlich dargestellt. Von 1000 nach Christus, über die Kunststile im Mittelalter bis zu den heutigen modernen Kunstrichtungen kannst du die einzelnen Kunststile in der Epochenübersicht zeitlich einordnen.

kunstepochen zeitstrahl epochenübersicht

 


 

 

Die Romanik: Bilder als “Lesefutter“ fürs einfache Volk

(1000 – 1300)

Die Malerei der Romanik beginnt irgendwann um 1000 n. Chr. in direktem Zusammenhang mit dem immer mächtiger werdenden Christentum. Die wenigsten Menschen konnten damals lesen, so dass es ein anderes Mittel geben sollte, ihnen abseits des Gottesdienstes das, was sie glauben sollten, nahezubringen. Die romanische Malerei besteht fast ausschließlich aus christlich- / kirchlichen Gegenständen und aus Abbildern von Menschen, die in der Kirche eine Rolle spielten, beispielsweise die Heiligen. Dazu kamen noch die weltlichen und vor allem die kirchlichen Würdenträger, was häufig das selbe war.

Es wird oft davon gesprochen, dass die romanischen Bilder für das einfache Volk zum „Lesen“ da waren. Das bedeutet, dass sie einfach gehalten sein mussten. Romanische Bilder, ob in der Buchmalerei, der Wandmalerei, Tafelmalerei oder als Mosaik (was mit Malerei nicht direkt zu tun hat), haben deshalb meistens feste Konturen und relativ einfache Farbflächen. Es gibt keine Raumtiefe (Perspektive), und kaum „natürliche“ Abbildungen. Sicher ist dir schon aufgefallen, dass auf romanischen Bildern verschiedene Menschen unterschiedlich groß abgebildet sind. Das sagt dir, dass die groß gemalte Person wichtiger, bedeutender, ist als eine kleine neben ihr. Bedeutungsperspektive ist der dafür verwendete Fachbegriff. Außerdem wirst du vielleicht die oft seltsamen Inhalte solcher Bilder bemerkt haben, bis hin zu Furcht einflößenden Drachen.

Romanische Bilder weisen einen hohen Symbolgehalt auf. Menschengesichter sind häufig drastisch verzerrt. Diese Bilder erzählen vielfach hoch emotionsgeladene Geschichten. Tatsachen und Realität, wie wir sie verstehen, interessieren ihre Schöpfer nicht, zumal ihre Malerei fast nur in kirchlichem Umfeld auftaucht. Sie ist vollständig zweck- und auftragsgebunden. Romanische Malerei ist in ganz Europa zu finden. Der Name Romanik stammt von den in der Architektur verwendeten und von den Römern übernommenen Rundbogen, die sich in Architektur und Malerei dieser Zeit wiederfinden.

 


 

 

Die Gotik: Höher, weiter, freier – und den Untergang im Blick

(1100 – 1500)

Die Zeit der Gotik, die etwa ab 1200 n. Chr. einsetzt und je nach Land bis knapp in die Mitte des 15. Jahrhunderts andauert, ist geprägt von zwei Gegensätzen. Einerseits wird das Denken der Menschen weiter und freier. Dem dumpfen Buckeln stemmt sich ein langsam erwachendes „Ich“ entgegen. Sieh dir eine romanische und dann eine gotische Kirche an: In der gotischen fühlst du dich geduckt – aber auch geborgen. Die gotische reißt deinen Blick nach oben durch immer größere lichtdurchflutete Fenster hindurch in eine nie gekannte Freiheit – die gleichzeitig Angst macht. Menschen haben sich schon immer gerne behüten (und damit beherschen) lassen.

Die neue Freiheit korrespondiert allerdings mit der Angst vor dem Ende. Im Jahr 1500, so fürchteten damals viele Menschen, würde die Welt untergehen. Alles dies kommt deutlich erkennbar in der Malerei dieser Zeit zum Ausdruck. Dabei spielt eine Rolle, dass den Malern immer größere Flächen zur Verfügung stehen, was eine Erweiterung der Themenpalette mit sich bringt. Nach und nach kommen immer mehr weltliche „Sujets“ in den Bildern vor. Technisch spielt die Entdeckung und zweidimensional nachvollzogene Entwicklung der dreidimensionalen Raumperspektive eine große Rolle. Die Bedeutungsperspektive ändert sich noch wenig, aber Menschen erscheinen nicht mehr wie leblose Gegenstände. Sie werden plötzlich ganz anders dargestellt als bis dahin: An die Stelle der starren und oft plump wirkenden Haltung in der Gotik tritt eine weiche S-Kurve, die den Körpern zu Bewegung verhilft. Gesichter werden individueller, weicher und weniger flächig; Die Kleidung, bisher für den Maler von geringem Interesse, zieht jetzt die Aufmerksamkeit auf sich, erhält aufwändige Falten.

Immer öfter werden weltliche Szenen dargestellt bis hin zur Jagd oder der Arbeit auf dem Feld. Höfische Eleganz rückt in den Mittelpunkt des Interesses. Die absolute Macht der Kirche beginnt nachzulassen. Die Grausamkeiten der Inquisition haben darin eine ihrer Ursachen. Noch hat die Kirche zuletzt auf allem ihre teils schützende, teils knechtende Hand, und doch entstehen in der Spätzeit der Epoche Werke wie das der Breughels oder des Hieronymus von Bosch, die der Kirche kaum genehm gewesen sein werden.

Während wir übrigens aus der Zeit der Romanik kaum einzelne Künstler kennen, finden wir jetzt eine explosiv zunehmende Zahl berühmter Namen, in Italien wie in Frankreich, in den Niederlanden wie in Deutschland und anderswo. Es entstehen erste große und miteinander konkurrierende Schulen. Italien macht den Auftakt mit Giotto di Bondones unerhörtem Naturalismus. Hier wird die Entwicklung der Tafelmalerei durch die abseits der Kirchen immer größeren Wandflächen begünstigt.

 


 

 

Die Renaissance: Wiedergeburt einer „Epoche“, die es so nie gab

(1420 – 1520)

Albrecht Dürer
Der Feldhase Albrecht Dürer [Public domain]

Um 1420 beginnt etwas, was sich aus dem oben Beschriebenen ganz folgerichtig ergab: eine Befreiung des Individuums, eine Art Wiedergeburt (daher der Name). Künstler aller Sparten und damit auch Maler besannen sich ihrer jahrhundertelang verschütteten oder verschollen geblaubten Vorbilder der römischen und vor allem der griechischen Antike. Was die Malerei angeht, so erscheint das einigermaßen widersprüchlich. Die klassische Antike beschränkt sich hauptsächlich auf Skulptur und Architektur. Bilder sind eher Ausnahmen.

Die Renaissance in der Malerei ist die Wiedergeburt einer Epoche, die es in ihrem eigenen Metier nie gegeben hatte. Die Prinzipien der Antike entsprechen aber sehr genau denen der neuen Bewegung. Porträts und überhaupt alle Abbildungen, auch von Landschaften, werden immer naturalistischer und realistischer. Dreidimensionalität bricht sich Bahn gegenüber den rein flächenhaften Darstellungen in der Romanik und teilweise auch noch der Gotik. Was diese Dreidimensionalität angeht, so sei ausnahmsweise an ein plastisches Werk, den „David“ von Michelangelo, erinnert, der zu den ersten Skulpturen der Renaissance gehört, die bewusst so konzipiert sind, dass du sie von jeder Seite aus betrachten kannst. Bis dahin waren alle nach-antiken Plastiken für die Ansicht nur von vorne konzipiert gewesen.

Ähnlich verhält es sich mit den Gemälden der Renaissance, wobei sich der Hinweis lohnt, dass neben Leonardo da Vinci eben auch Michelangelo Buonarotti als Maler (nicht nur als Bildhauer) zu den maßgeblichen Wegbereitern gehört.

Die Renaissance: Das vor 3000 Jahren erfundene Fresko erhält eine ganz neue Bedeutung. Große Wandflächen ermöglichen raumgreifende, weit ausholende Darstellungen komplexer Szenerien. Die Maltechniken werden immer ausgefeilter. Gesichter werden nicht mehr flächig, sondern sehr nuanciert gemalt, so dass du den Eindruck hast, du hättest den Portraitierten leibhaftig vor dir. Ölfarben lösen die bis dahin bevorzugten Temperafarben ab. Die Renaissance ist auch der Ausgangspunkt der großartigen vor allem flämischen / niederländischen Landschaftsmalerei.

 


 

 

Der Manierismus: Eine kurze Epoche von Kitsch as Kitsch can

(1520 – 1600)

Die hier gewählte Überschrift ist natürlich provozierend gemeint. Nicht alles, was in der Zeit ungefähr ab 1550 – mit Vorläufern schon ab 1515 – entstanden ist, ist ‚Kitsch‘. Es erscheint uns heute nur gekünstelt, wobei das ehrenwerte Gründe hat. Mit der neu entdeckten Freiheit des Menschen geht das Bestreben einher, dass jeder Künstler seine eigene Ausdrucksweise, seine eigene ‚Manier‘ entwickeln müsse.

Das jedoch führt rasch zu Übertreibungen, von denen selbst Michelangelo nicht ganz frei ist, weshalb einige seiner Werke tatsächlich nicht mehr der Renaissance, sondern schon dem Manierismus zugerechnet werden. In Bildern des Manierismus wird die Darstellung von Gefühlen absichtlich übertrieben, werden Gesten übersteigert, wird alles einschließlich der Kleidung dargestellter Personen aufgebauscht bis zum Geht-nicht-mehr. Aus der leichten S-Kurve der Renaissance wird ein fast ans Unnatürliche grenzende Überdrehen der Körper. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade dieser Stil zum ersten pan-europäischen wird, die Künstler aus ganz Europa nach Italien, seinem Ausgangsort, zieht.

 


 

 

Das Barock: Verherrlichung der Macht – eine Augentäuschung

(1590 – 1760)

Aus der Manier wird Methode. Fürsten und Fürstbischöfe, Könige und Päpste finden immer mehr Gefallen daran, nicht mehr die göttliche, sondern ihre eigene Macht dargestellt zu sehen. Immer prunkvoller werden die Szenerien, bis hin zu rational gar nicht möglichen Anordnungen. Das ‚Trompe l’oeil‘, die Augentäuscherei, findet Eingang in die Malerei.

Immer neue Akademien werden gegründet. Gold und (in der Skulptur) Marmor werden die vorherrschenden Materialien. Körper werden in den Gemälden vollplastisch dargestellt, ähnlich wie in der Skulptur der Renaissance bei Michelangelos David. Gegensätze wie die von Licht und Schatten werden über das Natürliche hinaus hervorgehoben. Vor allem ist das Barock das Zeitalter, das ungeniert sowohl in Kirchen als auch in Schlössern seine Macht in allem Pomp zur Schau stellt. Nichts kann mehr groß und wertvoll genug sein, um den Ruhm und Reichtum seines Besitzers zu zeigen.

 


 

 

Das Rokoko: Ein Lustspiel aus Licht, Luft und Farben

(1725 – 1780)

Im Rokoko, dessen Name sich vom französischen Wort für Muschelwerk (rocaille) herleitet und dem entsprechend dort entstanden ist, löst sich alles, was noch im Barock irgendwie in feste Formen gefügt war, auf in Luft, Licht und Lust. Alle Formen werden verspielt. Die Farben werden heller bis hin zu pastosen, fast durchsichtigen Tönen. Religionsbezogene Themen treten etwas in den Hintergrund, obwohl Künstler wie Tiepolo Meisterwerke der Freskenmalerei in zahlreichen Kirchen hinterlassen.

Die berühmte Schäferidylle, völlig realitätsfern, wird ‚das‘ Thema der Zeit. Als gäbe es keine wirtschaftlichen, sozialen oder sonstigen Zwänge, ist im Rokoko alles unbeschwerte Heiterkeit.

 


 

 

Der Klassizismus: Vorwärts – zurück in die Zukunft!

(ca. 1770 – 1840)

Angelika Kauffmann
Selbsporträt Angelica Kauffman [Public domain]

Im Klassizismus, der sich um 1770 beginnend von Frankreich ausgehend international ausbreitet, greifen die Künstler aller Kunstgattungen, neben der Malerei vor allem die Architektur, auf frühere Themen, Techniken und Formen zurück. In vielen der damals entstandenen Werke erkennst du leicht Vorbilder der griechischen und römischen Klassik wieder.

Die Farben werden wieder flächiger, und selbst Porträts werden wieder erkennbar mit Konturen versehen, ähnlich wie in der Romanik. Farben treten in ihrer Bedeutung zurück. Die strenge Form gibt den Ton an. Louiz-Seize, Biedermeier und Empire sind Teil-Stile des Klassizismus, der häufig dafür benutzt wird, den Menschen patriotische Gefühl einzuimpfen, so besonders in Frankreich und Deutschland.

 


 

 

Die Romantik: Nach der Strenge ein Aufwallen des Gefühls

(1790 – 1850)

Caspar David Friedrich
Der Wanderer über dem Nebelmeer Caspar David Friedrich [Public domain]

Schon früh, ungefähr ab 1795, wird der streng wirkende Klassizismus von gefühlsbetonten romantischen Bestrebungen begleitet, als müsse der kühlen Klassik menschliche Wärme entgegengesetzt werden. Einen ganzheitlichen, fassbaren und damit genau definierbaren Stil haben die Künstler dabei nicht entwickelt. Die Deutschen neigen zu einer gewissen Gedankenschwere, während sich englische und vor allem französische Maler gezielt für die Wirkungen von Licht und Schatten interessieren. Einer der bedeutendsten von ihnen ist Eugène Ferdinand Victor Delacroix.

In den Bildern der Romantik findest du wenig echten Realitäts- und damit Natur-Bezug. An ihrer Stelle spielen Sentiment und ein Sinn fürs Schaurig-Schöne eine Rolle. Viele Arbeiten dieser Zeit loten das Unterbewusstsein aus und geben der Darstellung von Gefühl und Gefahr breiten Raum. In dieser Zeit entstehen gleichzeitig die ersten Wander- und andere Vereine, die die Natur entdecken wollen, allerdings nicht so, wie sie ist, sondern wie man sie sich gefühlsmäßig wünscht. Alles wird verklärt und überhöht. Die Romantiker wurden deshalb häufig verspottet und kritisiert.

 


 

 

Der Realismus: Schön muss es nicht sein, aber so wie es ist

(1850 – 1925)

Prompt findet auch diese Bewegung eine Gegenbewegung. Ihre Vertreter nennen sich Realisten. Deshalb heißt der sich ab der Wende zum 19. Jahrhundert entwickelnde Stil Realismus. Um die überschäumenden Romantiker zu stoppen, sollen nach Maßgabe des Realismus die Natur, die Menschen, Tiere und überhaupt alles Darstellbare so gezeigt werden, wie es tatsächlich ist. Gustave Courbet spricht von der „Verpflichtung der Kunst zur Wahrheit“.

Die Realisten sehen nicht nur das Schöne und Gute, sondern auch das Böse und Hässliche, und auch das zeigen sie ungeschönt. Das Spiel von Licht und Schatten wird auch im Realismus gepflegt. Dennoch sind die Bilder dieser Zeit selten sonderlich anheimelnd oder sympathisch – realistisch eben. Kritiker haben moniert, dass selbst erotischen Szenen in den Gemälden des Realismus genau das zumeist fehlt: Erotik. Kein Wunder, dass auch diese Epoche teils heftig kritisiert wird. Schiller nennt den Realismus „gemein“. Goethe spricht davon, dass die Kunst ideal sein müsse, aber nicht realistisch.

 


 

 

Der Impressionismus: Die alte Welt endet, eine neue beginnt

(1850 – 1895)

max liebermann
Die Blumenterassen im Wannseegarten nach Südwesten Max Liebermann [Public domain]

Dem Impressionimus, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzt, wird häufig bescheinigt, dass er endgültig mit der Klassik abschließt und eine völlig neue Welt, die Moderne, einläutet. Eines der Dinge, die sich in der Malerei grundlegend ändern: Jetzt wird in der freien Natur gemalt, während bisher draußen nur skizziert wurde und die eigentlichen Gemälde ausschließlich im Atelier entstanden. Draußen, „en-plein-air“, haben die Künstler ganz andere Möglichkeiten als bisher, selbst schnell wechselnde Lichtreflexe einzufangen und im Bild festzuhalten. „Impression – Sonnenaufgang“ von Claude Monet gilt als das allererste impressionistische Werk überhaupt.

Der Name Impressionismus war anfangs ein Schimpfwort, weil die Kritiker fanden, dass diese Maler nicht malten, sondern schmierten. Tatsächlich wird der Pinselstrich teils furios wild und ist mit der Malerei vergangener Kunstepochen nicht mehr vergleichbar. Formen und Linien treten in den Hintergrund. Die reine Farbe übernimmt die Führung. Aus einzelnen Farbpunkten (besonders in der impressionistischen Spielart des Pointillismus) werden ganz neue Farben zusammengesetzt. Gemalte Gegenstände sind oft erst aus etwas größerer Entfernung als das zu erkennen, was sie darstellen. Die Künstler wollen auch nicht mehr belehren, sondern malen um der reinen Malerei willen (l’art-pour-l’art). Die großen Salons, oft international bestückte Ausstellungen, gewinnen an Bedeutung.

 


 

 

Der Symbolismus: Bitterer Genuss von Sünde, Tod und Leidenschaft

(1890 – 1920)

Zwischen 1880 und 1910 entstehen die wichtigsten Werke des Symbolismus. Auch diese Stilrichtung (von der wir lieber sprechen wollen als von einer Epoche) nimmt ihren Anfang in Frankreich. Gegenüber der sachlichen Wahrnehmung nimmt die Darstellung von Gedanken und Gefühlen einen breiten Raum ein, aber anders als im Expressionismus oder Impressionismus, für die er als Bindeglied gilt.

Gleichzeitig nimmt er mit seinen zumeist klaren Formen den Jugendstil vorweg. Krankheit, Sünde, Tod und Leidenschaft zählen mit einer gewissen Dekadenz zu den bevorzugten Themen des Symbolismus.

 


 

 

Der Jugendstil: Ein Kuss reist um die Welt

(1890 – 1910)

„Der Kuss“ von Gustav Klimt ist nicht unbedingt das wichtigste malerische Werk des Jugendstils, außerhalb Deutschlands meist Art Nouveau genannt, aber sicher eines der weltweit bekanntesten. Großflächige Blumen-Elemente und weiche, geschwungene Linien kennzeichnen diesen Stil, der in vielen Ländern unter dem Namen Sezessionsstil Bekanntheit erlangt.

Symmetrie spielt eine immer geringere Rolle. Schwung und Verspieltheit, eben auch eine gewisse Jugendlichkeit, halten Einzug nicht nur in die Malerei. Der Jugendstil versucht, die Natur in die Städte zu bringen. Abseits des rein Dekorativen, was ihm oft vorgehalten wird, hat der Jugenstil durchaus einen ernst zu nehmenden politischen Gehalt.

 


 

 

Der Expressionismus: Malerei als Gesellschaftskritik

(1890 – 1914)

Franz Marc
Die gelbe Kuh Franz Marc [Public domain]

Der Expressionismus ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert nimmt gezielt Stellung gegen den Naturalismus. Den Malern dieser Bewegung liegt herzlich wenig daran, das Äußere der Dinge zu zeigen. Ihnen geht es um den Ausdruck der eigenen Gefühle. Du findest in diesen Bildern eine gewisse Agressivität, etwas Wildes und Archaisches.

Dem von Deutschland ausgehenen Expressionismus steht dabei der französische Fauvismus gegenüber, der ähnlich wie jener ausdrücklich als Gegensatz zum Impressionismus gedacht ist. Um die Zeit des Ersten Weltkriegs entstehen Werke von oft verstörender Intensität. Eine deutliche Herrschafts- und Gesellschaftskritik greift in der Malerei um sich. Sie wird endgültig hochpolitisch.

 


 

 

Der Kubismus: Wir setzen die Welt neu zusammen!

(1906 – 1914)

analytischer kubismus
Juan Gris [CC0]

Ab 1906 gehen von Frankreich aus Maler zur Demontage über. Ohne dass sie so etwas wie ein konkretes Programm hätten, nehmen Künstler wie Pablo Picasso die Welt, wie sie sich ihnen darstellt, buchstäblich auseinander und setzen sie nach ihrem eigenen Belieben anders wieder zusammen. Ein Ding oder ein Mensch wird nicht mehr in einer einheitlichen Ansicht gezeigt, sondern in einzelne Teile zerlegt, anfangs von Betrachtern gelegentlich als Würfel bezeichnet (frz. “cube“ = Würfel), die den Gegenstand gleichzeitig von verschiedenen Seiten zeigen sollen.

Regeln, welcher Art auch immer, erkennen die Kubisten nicht mehr an. Kein Programm, aber mächtig Einfluss: Der Kubismus beeinflusst wesentlich alle nachfolgenden Kunststile des 20. und noch des 21. Jahrhunderts.

 


 

 

Der Futurismus: Klassik- und körperfeindlich

(1909 – 1945)

Der Futurismus ist die erste Kunstrichtung, die von einem Einzelnen mit einem konkreten Programm „gegründet“ wird. Der Italiener Filippo Tommaso Marinetti verfasst ein „futuristisches Manifest“, in dem er die christliche Moral ablehnt und jegliche sozialen Bezüge zurückweist. Allerdings ist Marinetti selbst kein Maler. Die Malerei wurde dennoch zur wichtigsten Kunstsparte des Futurismus. Die Futuristen widersetzen sich den Vorbildern der Klassik, und sie erweisen sich als ausgesprochen körperfeindlich.

Die Aktmalerei lehnen sie als deprimierend und widerwärtig ab. Alles Überlieferte ist suspekt. Erinnerst du dich an den Spruch eines deutschen Blödelbarden: „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ Das kommt futuristischem Denken ziemlich nahe. Den Futuristen wird außerdem eine allzu große Nähe zum Faschismus vorgeworfen.

 


 

 

Der Dadaismus: Unsinn als eigentlicher Sinn der Dinge

(1912 – 1920)

Über die Herkunft des Namens „Dada“ gibt es mehrere Theorien. Eine davon ist, dass der Schriftsteller Hugo Ball aus Jux in einem deutsch-französischen Wörterbuch herumgestochert haben und dabei auf das Wort „dada“ gestoßen sein soll. „Dada“ heißt in der französischen Kindersprache „Steckenpferd“. Dada setzt auf Provokation und Unlogik und versteht sich unter anderem als Anti-Kriegs-Bewegung, schon im Ersten Weltkrieg.

Bestehende Werte und Regeln werden in Frage gestellt und durch Unsinn überwunden. Gegenstände des Alltags sind plötzlich Kunstwerke. Der Dadaismus zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er verschiedene Kunstarten bis hin zu Dichtung und Tanz in einem Kunstwerk vereint. Mit seinem „unsinnigen“ Charakter bricht er viele Tabus, bewirkt gleichzeitig zahlreiche technische Neuerungen und beeinflusst die nachfolgenden Kunstrichtungen bis heute wesentlich. Seit Dada ist Malerei mehr als ein Abbild der Wirklichkeit. Dada ist frühe Actionskunst.

 


 

 

Der Surrealismus: Alles Wirkliche ist wirklich unwirklich

(1920 – 1930)

Es wäre ungewöhnlich, wenn du Salvador Dalís Bild „Die weichen Uhren“ nicht kennen würdest. Dalí ist einer der bedeutendsten der Surrealisten, vielleicht der bedeutendste. Anfangs wurde diese Art Kunst vom Publikum verachtet; Heute sind ihre Erzeugnisse selbst in den Köpfen konservativer Betrachter verankert. Mit der Wirklichkeit beschäftigen sich die Surrealisten nur noch insofern, als sie sie mit ihrer eigenen Traumwelt verschmelzen.

Da können auch schon ‚mal mit der verrinnenden Zeit gleich auch noch die Uhren, die sie eigentlich anzeigen sollten, zerfließen. Im Gegensatz zur satirischen Art des Dadaismus gibt sich der Surrealismus psychoanalytisch und verarbeitet Phantastisches und Unbewusstes. Der Surrealismus wendet sich gegen die verkrusteten Denkstrukturen des bourgeoisen Bürgertums.

 


 

 

Die Neue Sachlichkeit: reine Funktionalität im Blick

(1925 – 1965)

Schon nach dem Ersten Weltkrieg setzt eine Hinwendung zu den sichtbaren Dingen ein, während die Surrealisten genau sie zu konterkarieren beginnen. Ähnlich wie die Expressionisten nehmen die Vertreter der Neuen Sachlichkeit verstärkt sozialkritische Themen auf. Die chaotischen Kriegsereignisse haben eine Sehnsucht nach Ordnung und Tradition zur Folge, die in der Neuen Sachlichkeit zum Ausdruck kommt. Bilder der Neuen Sachlichkeit wirken häufig emotionsarm, nüchtern und sehr technisch.

Viele technische Neuerungen von der Glühbirne bis zum Radio sind jetzt Themen in Bildern. Wie alle modernen Kunstrichtungen ist auch diese nicht homogen, sondern spaltet sich in etliche unterschiedliche „Flügel“ auf.

 


 

 

Der Abstrakte Expressionismus: Die Kunst wandert aus

(1948 – 1962)

Erstmals entsteht eine Kunstrichtung nicht in Europa, sondern in Nordamerika, speziell in den USA. Ab ca. 1940 ziehen dort Action-Painting und Farbfeldmalerei die Aufmerksamkeit auf sich, womit das Gegenständliche endgültig überwunden zu sein scheint. Da wird Farbe mit Eimern auf den Untergrund gegossen, der duchaus nicht immer Leinwand sein muss. Da wird mit den Fingern statt mit Pinsel oder Spachtel „gemalt“.

Der Farbauftrag kann so dick werden, dass das fertige „Bild“ eher als Relief oder Halbrelief erscheint. Von Amerika aus verbreitet sich die Bewegung, deren wichtigste Vertreter Jackson Pollock und Marc Tobey sein dürften, nach Europa, während es bisher immer anders herum gewesen war. Von konservativer politischer Seite wird sie in Zeiten des Kalten Krieges als „unamerikanisch“ gebrandmarkt. Aufhalten lässt sie sich nicht.

 


 

 

Pop-Art: Alles ist Kunst – Kunst ist alles

(1955 – 1969)

Für die Künstler der Pop-Art, die erneut in den USA entsteht und gleichzeitig in England, ist endgültig – Marcel Duchamp lässt grüßen – alles Kunst: Reklameschilder, Comics, triviale Dinge des alltäglichen Konsums bis hin zur Konservendose sind mit einem Mal Gegenstände künstlerischer Betrachtung.

Klare Konturen und einheitliche Farbflächen dominieren. Seriendrucke und Fotorealismus halten in Malerei und Graphik Einzug. Als einer der wichtigsten Vertreter der englischen Pop-Art gilt bis heute David Hockney, obwohl der nur wenige Bilder dieser Kunstrichtung gemalt und sich bald anderen Ausdrucksformen zugewandt hat.

 


 

 

Moderne Kunstrichtungen in der Epochenübersicht

 

Neo-Expressionismus / Neue Wilde / Neue Heftige

(ab 1980 – 1889)

Ab den 1980er Jahren entstand eine Bewegung von Malern, welche lebensbejahende, gegenständliche und grossformatige Bilder erschufen. Motive waren vor allem die Grossstadt bzw. das Grossstadtleben. Die Bewegung bzw. Kunstrichtung erhielt ihren Namen angelehnt an die Fauves des Fauvismus.

Der Hotspot für die neue Wilde war Berlin, gegen 1989 zerstreuten sich die Künstler jedoch, einige malten diesen Stil weiter in New York.

Lesetipp  Kubismus - Geschichte, Merkmale und bekannte Künstler

 


 

 

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Kunstepochen in der Malerei – Alle Kunstrichtungen im Überblick
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