In den vergangenen Jahrhunderten gab es eine grosse Anzahl an weiblichen Malerinnen, welche wegweisende Kunstwerke geschaffen haben. Trotz aller widrigen Umständen ist es doch einer erheblichen Anzahl an berühmten Malerinnen gelungen, in die Annalen der Kunstgeschichte einzugehen und spätestens in der heutigen Zeit die verdiente Anerkennung ihres Schaffens zu gelangen. Wir stellen dir berühmte Malerinnen aus allen Kunstepochen vor und erzählen dir deren Geschichten.

 

 

 

Berühmte Malerinnen genossen häufig nicht dasselbe Ansehen wie ihre männlichen Künstlerkollegen. Wie lange Zeit in der Politik waren Frauen auch in der Malerei oft schlechter gestellt. So durften Sie gewisse Kunstakademien nicht besuchen oder erzielten für ihre Bilder niedrigere Preise.

Als Künstlerin in Europa war es beinahe unmöglich, von der Kunst zu leben. Dies war bis ins späte 19. Jahrhundert der Fall. Teilweise wurde den Frauen generell jegliche künstlerischen Fähigkeiten abgesprochen. Teils wurden sie auch gezielt an der Ausübung ihrer Profession gehindert. Dahinter standen oft kulturelle Vorurteile, Zwänge innerhalb der Familie oder gesellschaftliche Wertvorstellungen. Aber auch ökonomische Gesichtspunkte spielten dabei eine Rolle.

 


 

 

Geschichte der Frauen in der Malerei

 

Die Möglichkeit zur Ergreifung eines künstlerischen Berufs für Frauen war sehr unterschiedlich während den unterschiedlichen Epochen. Eine pauschale Aussage ist deshalb nicht möglich. Wir können jedoch festhalten, dass es Frauen stets schwieriger hatten, den Lebensunterhalt mit ihrer Kunst zu bestreiten.

So konnten Frauen bis in das späte 19. Jahrhundert in der Regel nur eine künstlerische Laufbahn einschlagen, wenn dies im Rahmen von Adels- oder Königshäusern oder im kirchlichen Umfeld geschah. Die Alternative dazu war die Möglichkeit einer Aufnahme in eine Zunft. Es war auch immer von Vorteil, wenn der Vater Künstler war und sich so eine Tür für eine mögliche Ausbildung dadurch geöffnet hatte. Vor allem im Bereich der Stillebenmalerei fanden sich verhältnismässig viele Malerinnen.

Früher waren Zunfthäuser das Eintrittstor für eine künstlerische Karriere, welche sich aus kunsthandwerklichen Berufen entwickelte. Später wurden diese durch oftmals höfische Kunstakademien abgelöst. Nicht zuletzt durch ein Umdenken vom Kunsthandwerker zur Künstlerpersönlichkeit ergab diese Weiterentwicklung durchaus Sinn. Die Akademien zeigten so einen Weg auf, ausserhalb der Zwänge der Zünfte die künstlerische Laufbahn einzuschlagen und so Unabhängigkeit zu erlangen.

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Adélaïde Labille-Guiard [Public domain]

 

Immer mehr berühmte Künstlerinnen trotz Ausschluss aus Akademien

Durch die Möglichkeit, Kunst an einer Akademie zu erlernen wertete dies den Künstlerberuf auch gesellschaftlich auf. So war das Erlernen einer Kunstform neu eine Wissenschaft, welche nach standardisierten Regeln gelehrt wurde. Insbesondere ab dem 18. Jahrhundert nahm die Bedeutung der akademischen Ausbildung enorm zu, während der kirchliche Einfluss und derjenige von Königs- und Adelshäusern zunehmend schwand.

Generell waren Frauen von der akademischen Kunstausbildung ausgeschlossen. Zudem war es weiblichen Malerinnen bis ins späte 19. Jahrhundert nicht gestattet, vor nackten Modellen zu malen. Was heute als Absurdität anmutet, war damals eine richtige Katastrophe. Denn die Aktmalerei war während längerer Zeit ein sehr wichtiger Zweig. Weibliche Malerinnen mussten sich also notgedrungen andere Motive suchen und waren dadurch eingeschränkt.

 


 

 

Kampf der Malerinnen um Anerkennung

 

Eine Möglichkeit, trotzdem eine künstlerische Ausbildung zu bekommen war Frauen aus reichem Hause vorbehalten. So bestand die Möglichkeit, privaten Unterricht bei einem etablierten Maler zu erhalten – das notwendige Kleingeld vorausgesetzt. Es gab auch vereinzelte private Ausbildungsstätten, welche allerdings für normale Bürger nicht erschwinglich waren.

Aus dieser Ungerechtigkeit heraus entwickelten sich gegen 1860 sogenannten „Damenakademien“, welche privat geführt wurden und es Frauen in eigenen Kunstklassen ermöglichten, die Grundlagen zu erlernen. Diese Akademien wurden jedoch nicht vom Staat gefördert, sondern mussten ihre Kosten den Teilnehmern weiter verrechnen. Einige bekannte Beispiele waren hier die Académie Colarossi und die Académie Julian in Paris.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Beschränkungen von Frauen in der Kunst endlich Schritt für Schritt aufgehoben. Auch zu dieser Zeit wurde den Frauen jedoch nicht eine komplette kreative Eignung zugebilligt. Erst mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau stieg der Prozentsatz von hauptberuflichen Künstlerinnen deutlich an.

Auch während dem zweiten Weltkrieg waren weibliche Künstlerinnen unter Druck, was auch dem nationalsozialistischen Frauenbild geschuldet war, welches konträr zu einer ernst zu nehmenden Tätigkeit als Künstlerin war.

 


 

 

Berühmte Malerinnen

Wir haben die folgenden berühmten Malerinnen genauer betrachtet:

  • Herrad von Landsberg
  • Sofonisba Anguissola
  • Angelika Kauffmann
  • Marie Ellenrieder
  • Rosa Bonheur
  • Mary Cassatt
  • Paula Modersohn-Becker
  • Alice Neel
  • Lee Krasner

 

Romanik – Herrad von Landsberg

Herrad von Landsberg
Selbstbildnis Herrad von Landsberg [Public domain]

 

Während des Zeitalters der Romantik arbeiteten Malerinnen oft anonym an zumeist kirchlichen Werken. Im Fokus stand hier die Buchmalerei und Illustrationen.

Eine der wohl berühmtesten Malerinnen dieser Zeitepoche war die Äbtissin Herrad von Landsberg. Als Nonne wurde sie von der Äbtissin Richlint unterrichtet. Sie übernahm später das Kloster Hohenburg als Äbtissin von 1167 bis 1195. Neben dieser Funktion war sie auch sehr engagiert als Illustratotin und Autorin. Sie erschuf zum Beispiel das „Hortus Deliciarum“, der Garten der Köstlichkeiten. Es handelte sich dabei um eine Enzyklopädie in lateinischer Sprache, welche das gesammelte Wissen des Hochmittelalters zusammenfasste.

 

 

Renaissance bis Barock – Sofonisba Anguissola

Sofonisba Anguissola
Selbstporträt Sofonisba Anguissola [Public domain]

In der Epoche der Renaissance erlangten erstmals einige berühmte Malerinnen europaweite Bekanntheit. In dieser Zeit stand die Kunst nicht mehr nur für christliche Bildnisse im Fokus, sondern wurde zunehmend weltlich. Durch den in der damaligen Zeit aufkommenden Humanismus verlagerte sich das Ansehen von Kunst als Handwerk hin zu einer philosophischen, geistigen Arbeit. Immer mehr war das Studium des menschlichen Körpers, der Mathematik und Kunstgeschichte ein Bestandteil der Ausbildung.

Sofonisba Anguissola war die wohl berühmteste Malerin aus dieser Zeit. Sie war in Italien geboren und wuchs in einer Malerfamilie auf. Sie malte nicht wie viele andere Künstlerinnen Stillleben, sondern legte ihren Fokus auf die Portraitmalerei. Durch dieses Alleinstellungsmerkmal und ihre grosse Gabe erlangte sie bereits zu Lebzeiten einige Bekanntheit. Den Durchbruch jedoch schaffte die berühmte Künstlerin durch eine Empfehlung des Herzogs von Alba, wodurch sie Zugang zum spanischen Königshaus erhielt. Dort durfte sie Portraits von König Phillip II. und seiner Familie malen. Diese Werke gefielen dem König so gut, dass sie Hofdame wurde und viel Zeit vor der Staffelei verbringen konnte. Viele Jahre später zog sie nach Genua, wo sie Malunterricht gab und weitere Werke malte.

Anguissolas wohl bekanntestes Werk war „Drei Schwestern beim Schachspiel“, welches als erste Abbildung einer Alltagsszene in Italien angesehen wird.

 

Klassizismus – Angelika Kauffmann

Angelika Kauffmann
Selbsporträt Angelica Kauffman [Public domain]

 

Auch eine Schweizerin schaffte es zu Ruhm und Anerkennung und wurde eine berühmte Malerin: Angelika Kauffmann wurde in Chur geboren. Ihr Vater war Freskenmaler, was ihr die Türe zur Malerei öffnete. Ihr Vater war es auch, der sie förderte und ihr die Malerei vermittelte. So bekam sie nach ihrer Jugendzeit auch bereits erste Auftragsarbeiten von Adelshäusern. Später Kauffmann mit ihrem Vater nach Florenz, um sich dort die Kunst der Renaissance und der Antike auseinander zu setzen. Sie malte dort bekannte Persönlichkeiten, darunter den Archäologen und Kunstwissenschaftler Johann Joachim Winckelmann. Dies brachte für sie den Durchbruch und wurde zum Ehrenmitglied in der „Accademia Clementina di Bologna“.

Auch in England erlangte Angelica Kauffmann als berühmte Künstlerin einige Bekanntheit und war nebst Mary Moser die einzige Künstlerin der Royal Academy. Später zog sie nach Rom, wo sie weiter malte.

 

Romantik – Marie Ellenrieder

Marie Ellenrieder
Selbstporträt Marie Ellenrieder [Public domain]

 

Marie Ellenrieder wurde in Konstanz geboren und entstammte einer Malerfamilie. Sie ging beim Miniaturmaler Joseph Einsle in die Lehre und erhielt tatsächlich als erste weibliche Malerin die Zulassung in die Kunstakademie in München. Nach dem Studium fertigte sie vor allem Portraits für verschiedene Fürstenhöfe an. Auch Sakralkunst malte sie immer wieder. Obwohl sie einigen Erfolg genoss, fühlte sie sich von ihren männlichen Malerkollegen nie richtig ernst genommen. Für eine Frau genoss sie zu dieser Zeit jedoch einen beachtlichen Ruf. So erhielt sie die Goldene Medaille für Kunst des badischen Kunstvereins sowie eine Auszeichnung des vaterländischen Verdienstordens von Grossherzog Ludwig.

Ellenrieder malte immer weniger Porträts und konzentrierte sich ganz auf die religiöse Kunst. So malte sie zum Beispiel das Hochaltarbild der Kirche St. Bartholomäus in Offenburg und der Stadtkirche St. Stephan in Karlsruhe. Grossherzog Ludwig ernannte sie 1829 zur Hofmalerin. Einher ging ein Auftrag, ein Familienbild der Grossherzogin Sophie mit Kindern zu malen, dessen Fertigstellung fast 2 Jahre dauerte.

Auch die britische Königin Victoria gehörte zum Klientel von Marie Ellenrieder, für welche sie zwei grosse religiöse Bilder malen durfte.

 

 

Naturalismus – Rosa Bonheur

Rosa Bonheur
Porträt von Rosa Bonheur, Anna Elizabeth Klumpke [Public domain]

 

Die Karriere von Rosa Bonheur nahm ihren Anfang wie bei vielen ihrer Kolleginnen: Sie wurde in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Ihr Vater Raymond Bonheur lehrte sie die Malerei und Rosa Bonheur spezialisierte sich auf die Tiermalerei. Im Gegensatz zu vielen ihrer weiblichen Malerkolleginnen malte sie bevorzugt grössere Tiere wie Pferde und Kühe. Sie hatte damit auch beachtlichen Erfolg und positionierte sich als eine von wenigen berühmten Malerinnen dieser Kunstepoche.
So stellte sie ihre Bilder im Pariser Salon 1841 aus, wo sie in den Folgejahren richtig durchstarten konnte. Ihr Bild „Der Pferdemarkt“ brachte für Bonheur den Durchbruch. Ihr Galerist Ernerst Gambart hatte keinen kleinen Anteil daran, stellte er doch den Kontakt zu so illustren Persönlichkeiten wie Königin Victoria oder wohlhabenden Sammlern wie Cornelius Vanderbilt vor.
Rosa Bonheur strebte stets nach Perfektion und wählte dafür durchaus auch unkonventionelle Mittel: So hielt sie teilweise Tiere in ihrem Atelier oder im Hinterhof. Dazu gehörten auch Arbeitseinsätze auf dem Bauernhof sowie auf Pferdemärkten. Dabei stand stets die realistische Darstellung der Tiere im Zentrum.
Bonheur war eine äusserst erfolgreiche und berühmte Malerin – und dies sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich. Mit dem Erlös ihrer Bilder kaufte sie sich ein kleines Schloss wo sie sich zurückzog um mehr Ruhe für ihre Kunst zu haben.

 

 

Impressionismus – Mary Cassatt

Mary Cassatt
Selbstporträt Mary Cassatt [Public domain]

 

Ein Name, der untrennbar mit dem Impressionismus verbunden ist Mary Cassatt in der Topliga der berühmten Malerinnern. Sie gehörte zum erlauchten Kreis Impressionisten der damaligen Zeit, zusammen mit so klingenden Namen wie Edgar Degas, Paul Signac und Paul Cézanne. Cassat bekam die Gelegenheit, ihre Bilder im Pariser Salon auszustellen. Edgar Degas ermutigte sie darauf, sich den Impressionisten anzuschliessen. Daraus ergab sich ein fruchtbares Miteinander, mit gegenseitigen und gemeinsamen Ausstellungen.
Ihre bevorzugten waren Frauen und Mütter mit Kindern. Sie inspirierte und förderte andere Kunststudentinnen auf ihrem Weg der künstlerischen Entwicklung. In späteren Jahren um 1880 beschäftigte sie sich auch mit der Grafik. Sie war finanziell unabhängig und konnte sich vom Erlös ihrer Bilder ein eigenes Schloss leisten.
Auch künstlerisch war Mary Cassatt sehr erfolgreich und erhielt diverse Kunstpreise.

 

Moderne – Paula Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker
Selbstporträt Paula Modersohn-Becker [Public domain]

 

Wirklich berühmte Malerinnen gab es in der Moderne nur wenige. Eine davon ist Paula Modersohn-Becker. Sie machte sich Elemente des Kubismus, Fauvismus und Expressionismus zu eigen und kreierte daraus einen eigenen Stil. Sie erschuf Bilder, welche häufig ernsthaft und ungeschönt waren. Dies war für die damalige Zeit ungewöhnlich und stiess öfters auf Unverständnis.
Neben ihren Kinderbildern erschuf Modersohn-Becker in ihrer späteren Phase auch Stilleben-Bilder mit geometrischen Elementen des Kubismus. Paula Modersohn-Becker war es auch, die von sich selber Aktbilder gemalt hat und damit gegen jegliche Konventionen verstiess. Sie verstarb leider sehr früh im Alter von 31 Jahren und man kann nur spekulieren, welches Potential sie noch gehabt hat.

 

Amerikanischer Realismus – Alice Neel

Alice Neel
Lynn Gilbert [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons

 

Alice Neel begeisterte sich schon früh für die Malerei und besuchte die Philadelphia School of Design for Women. Sie fokussierte sich auf die Porträtmalerei. Ihr Ziel war es dabei stets, das Innere sichtbar zu machen. Ihre Porträts zeichnen sich durch eine grosse Offenheit aus. Dabei malte sie bevorzugt Personen aus ihrem Bekanntenkreis und Kulturschaffende aus dem Raum Manhattan.

Alice Neel hatte keinen leichten Stand in einer von Männern dominierten Kunstszene. Sie kämpfte lange um Anerkennung, welche sie erst um 1970 im Rahmen des Feminismus erhielt. Heute ist sie eine bekannte Künstlerin und ihre Werke bekannt, begehrt und in vielen amerikanischen Museen zu sehen.

 

 

Abstrakter Expressionismus – Lee Krasner

Eine berühmte Malerin aus dem abstrakten Expressionismus war Lee Krasner. Sie war mit dem bekannten Action Painting Maler Jackson Pollock liiert. Dieser förderte sie und betrieb zusammen mit Krasner ein gemeinsames Atelier.

Zu Beginn ihrer Karriere war Lee Krasner in der figurativen Malerei zuhause. Durch den Einfluss von Jackson Pollock begann sie sich, mit dem abstrakten Expressionismus auseinander zu setzen. Sie fungierte dabei als Muse und ordnende Kraft hinter Jackson Pollock, der zwischenmenschlich kein einfacher Mensch war. Nach dem alkoholbedingten Tod von Pollock erlebte Lee Krasner einen neuen künstlerischen Frühling und erschuf so insgesamt um die 600 Werke.

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Berühmte Malerinnen aller Kunstepochen und ihre Geschichte
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