Loie Hollowell – Körper, Farbe und abstrakte Reliefs
Loie Hollowell verwandelt körperliche Erfahrung in Bilder, die zugleich gemalt, gebaut und beinahe tastbar wirken. Die 1983 geborene US-amerikanische Malerin führt Farbe, Symmetrie und Relief so zusammen, dass abstrakte Geometrie und Körperform ständig ineinander kippen. Wenn du ihre Laufbahn und ihre wiederkehrenden Zeichen kennst, kannst du Werke wie „Boob Wheel“ deutlich genauer lesen.
Wer ist Loie Hollowell?
Loie Hollowell ist eine US-amerikanische Malerin, die mit körperbezogenen Gemälden und plastisch aufgebauten Bildoberflächen bekannt wurde. Sie wuchs in Woodland im Bundesstaat Kalifornien auf und lebt und arbeitet heute in New York City. Ihre Kunst verbindet persönliche Erfahrungen mit einer streng geordneten Formensprache.
Ihre Bedeutung liegt gerade in dieser Verbindung: Hollowell bildet den Körper nicht einfach ab. Sie übersetzt ihn in Achsen, Rundungen, Farbfelder und echte Wölbungen. Das Ergebnis bewegt sich zwischen Malerei und Objekt, zwischen geometrischer Abstraktion und erkennbaren Anspielungen auf Brüste, Öffnungen oder aufrechte Körperformen.
Herkunft, Ausbildung und New York
Hollowell wurde 1983 geboren. Eine erste zentrale Ausbildungsstation war 2005 das College of Creative Studies der University of California in Santa Barbara. 2012 schloss sie an der Virginia Commonwealth University ein MFA-Studium ab. MFA steht für Master of Fine Arts, einen künstlerisch ausgerichteten Hochschulabschluss.
Diese Eckdaten bilden den Rahmen einer Entwicklung, die sich nicht als lückenlose Jahresliste verstehen lässt. Entscheidend sind die Veränderungen ihrer Bildsprache: von direkteren Selbstbildern über geometrisch vereinfachte Körperzeichen bis zu Reliefs, bei denen sich Farbe und tatsächlich gebauter Raum gegenseitig beeinflussen. New York wurde zum Mittelpunkt ihrer weiteren Arbeit und ihrer frühen öffentlichen Präsentationen.
Warum ihre Bilder zwischen Fläche und Körper stehen
Aus der Entfernung erscheinen viele Arbeiten zunächst klar und symmetrisch. Ovale, mandelförmige Öffnungen, spitze Bögen und senkrechte Achsen bilden eine übersichtliche Ordnung. Beim Näherkommen lösen sich diese Formen jedoch nicht in reine Geometrie auf. Sie erinnern weiterhin an Körperteile und körperliche Vorgänge.
Dafür passt der Begriff biomorphe Abstraktion: Gemeint sind abstrakte Formen, die organisch oder körperähnlich wirken. Hollowell verbindet sie mit Reliefmalerei, bei der Teile der Oberfläche vor- oder zurücktreten. Einige Schatten sind deshalb gemalt, andere entstehen tatsächlich im Raum. Genau dieser Wechsel macht es oft schwer, auf den ersten Blick zwischen Fläche und Volumen zu unterscheiden.
Sexualität, Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft gehören zu den autobiografischen Ausgangspunkten ihrer Arbeit. Dennoch funktionieren die Bilder nicht wie illustrierte Tagebucheinträge. Persönliche Erfahrung wird in ein formales System übersetzt, das auch ohne Kenntnis jeder biografischen Einzelheit sichtbar bleibt.
Vom Studium zur „Overview Effect“-Serie
Hollowells Laufbahn lässt sich besonders gut an wenigen Wendepunkten ablesen. Nicht jede Ausstellung führte zu einer neuen Phase. Deutlich erkennbar sind jedoch der Schritt von direkten Selbstbildern zur Abstraktion, die Arbeit mit Reliefoberflächen und die spätere Beschäftigung mit Schwangerschaft und Geburt aus wechselnden Perspektiven.
2005 bis 2012: Ausbildung und frühe Suche
Die Studienjahre in Santa Barbara und Richmond gingen der heute bekannten Formensprache voraus. Hollowell arbeitete zunächst unmittelbarer mit dem eigenen Körper und dem Selbstbild. Der MFA-Abschluss von 2012 markiert daher weniger das fertige Ergebnis als den Ausgangspunkt für den entscheidenden Wechsel ein Jahr später.
2013 bis 2016: Der Schritt zur Abstraktion
Das Jahr 2013 bildet einen von Hollowell selbst öffentlich benannten Wendepunkt. Sie beschrieb eine Abtreibung in diesem Jahr als entscheidenden Impuls, körperliche Erfahrung nicht mehr durch direkte Selbstbilder, sondern durch abstrahierte Formen zu verarbeiten. „Happy Vagina“ von 2013 entstand in diesem Zusammenhang.
Für die Entwicklung ihres Werks ist nicht eine weitergehende private Deutung entscheidend, sondern der sichtbare Wechsel der Mittel. Körperlichkeit verschwand nicht aus den Bildern. Sie wurde vielmehr verdichtet: Eine Öffnung, ein Oval oder eine Mittelachse konnte fortan zugleich geometrisches Element und körperlicher Verweis sein.
2015 folgte mit „AHHA“ ihre erste Einzelausstellung in New York. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich ein Grundprinzip herausgebildet, das ihre Arbeit weiterhin prägt. Die Komposition wirkt kontrolliert, während die Formen intime und schwer eindeutig festzulegende Bezüge behalten.
2017 bis 2019: Relief, Körperachse und Ausstellungen
Die Einzelausstellungen „Point of Entry“ bei Pace im Jahr 2017 und „Plumb Line“ von 2019 markieren ihre weitere öffentliche Etablierung. Für 2019 belegt „Boob Wheel“ außerdem einen plastischen Bildaufbau: Gemalte Rundungen treffen dort auf echte Vorsprünge, deren Wirkung sich mit Licht und Betrachtungsposition verändert.
Der Ausstellungstitel „Plumb Line“ verweist auf die Vorstellung einer senkrechten Lotlinie. Eine solche Mittelachse lässt sich in vielen Kompositionen als Ordnungssystem erkennen. Sie kann an einen aufrechten Körper erinnern, muss aber nicht als Figur ausgearbeitet sein. „Boob Wheel“ zeigt besonders klar, wie Achsen, körperbezogene Formen und reale Wölbungen zusammenfinden.
2020 bis 2026: Pastell, Mutterschaft und neue Perspektiven
2020 und 2021 entstanden neue weiche Pastellzeichnungen. Sie zeigen, dass die Pastellmalerei kein beiläufiger Zwischenschritt ist. Hollowell erprobt darin Farbe, Kontur und Übergänge, bevor einzelne Lösungen in andere Formate übergehen.
Nach der ersten Geburt entwickelte Hollowell die Werkgruppe „Split Orbs“. Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft blieben autobiografische Ausgangspunkte ihrer Arbeit, ohne dass die Bilder diese Erfahrungen anatomisch illustrieren.
2024 eröffnete „Space Between“ im Aldrich Contemporary Art Museum. Die Ausstellung markiert einen weiteren institutionellen Wendepunkt ihrer Laufbahn.
Mit „Overview Effect“, 2026 in London gezeigt, änderte sich nochmals der Blickwinkel. Die Serie geht auf Hollowells öffentlich geschilderte Wahrnehmung ihrer zweiten Geburt zurück: Statt das Geschehen ausschließlich aus unmittelbarer Körpernähe zu erleben, nahm sie es zeitweise wie aus einer distanzierten Position von oben wahr. Die Bilder führen das Geburtsthema deshalb nicht einfach fort, sondern ordnen Körperformen aus einer veränderten räumlichen Perspektive.
So funktionieren Hollowells Bilder
Hollowells Arbeiten lassen sich ohne kunsthistorisches Studium erschließen, wenn du zwischen Form, gebauter Tiefe und gemalter Modellierung unterscheidest. Hilfreich ist eine einfache Reihenfolge: Suche zuerst die Achse, dann die wiederkehrenden Konturen und erst danach die Stellen, an denen Licht und Schatten ihre Herkunft verbergen.
Cassatt – Beim Enten-Füttern, 80-1900. Bild: Mary Cassatt via Wikimedia Commons, lizenziert unter Public domain.
Von der Pastellstudie zum Bildträger
Am Anfang stehen häufig Zeichnungen oder Pastellstudien. Hollowell entwickelt darin Formen, verschiebt Proportionen und ordnet die Komposition geometrisch. Erst danach werden die Lösungen auf einen größeren Bildträger übertragen. Das erklärt, warum selbst körperlich aufgeladene Motive so genau ausbalanciert erscheinen.
Bei neueren Reliefs kommen unter anderem CNC-gefräster hochdichter Schaumstoff und gegossene Harzteile zum Einsatz. CNC-gefräst bedeutet, dass eine computergesteuerte Maschine das Material nach vorgegebenen Formen bearbeitet. Die Teile werden in den Bildaufbau integriert und anschließend malerisch behandelt.
Diese Verbindung verschiedener Stoffe steht der Mixed-Media-Mischtechnik nahe, bleibt bei Hollowell jedoch eng an die Logik der Malerei gebunden. Farbe bedeckt nicht nur den Träger. Sie verändert, wie hoch, tief, weich oder fest ein tatsächlich vorhandenes Volumen erscheint.
Mandorla und Lingam: Formen mit mehreren Bezugsebenen
Die Mandorla ist eine mandelförmige Figur, die sich aus der Überschneidung zweier Rundformen ableiten lässt. Aus der christlichen Sakralbildtradition ist sie als umschließende Form bekannt. Hollowell übernimmt nicht einfach deren religiöse Bedeutung, sondern liest die Mandelform zugleich körperlich, etwa als Öffnung.
Ein weiterer Begriff ihres Formvokabulars ist der Lingam. Das Sanskritwort bezeichnet ein Zeichen für den Phallus. In den Bildern kann eine längliche, aufrechte Rundform daher einen körperlichen Bezug tragen und gleichzeitig als eigenständige Geometrie funktionieren.
Solche Bezüge bilden keinen festen Symbolcode, bei dem jede Form nur eine richtige Übersetzung besitzt. Ebenso wenig belegen religiös oder tantrisch geprägte Motive eine persönliche Glaubenshaltung. Hollowell hat ausdrücklich erklärt, dass sie sich nicht als spirituelle Person versteht. Die historischen Formen liefern ihr ein visuelles Vokabular, keine biografische Glaubenserklärung.
Kielbogen und Relief: Wenn die Fläche hervortritt
Der Kielbogen, auf Englisch Ogee, stammt aus der gotischen Architektur. Seine Seiten bilden gegenläufige Kurven, die nahe der Spitze ihre Richtung wechseln. Dadurch entsteht eine zugespitzte, zugleich weich geschwungene Kontur. Hollowell hat beschrieben, dass sie diese Form auch an eine Brust erinnert.
Die Zeichnung zeigt einen Kielbogen mit gegenläufigen Kurven nahe der Spitze. Bild: Pearson Scott Foresman via Wikimedia Commons, lizenziert unter Public domain.
Im Relief kann aus einer solchen Kontur ein echter Vorsprung werden. Hier lohnt sich genaues Hinsehen: Folge zunächst nur dem äußeren Rand und prüfe dann, ob sich innerhalb der Form ein gemalter Verlauf befindet. Eine plastische Erhebung kann durch gegenläufig gesetztes Hell und Dunkel optisch flacher wirken. Umgekehrt kann eine flache Partie allein durch Farbe wie eine Wölbung aussehen.
Hollowell nutzt diese Unsicherheit gezielt. Das Bild bleibt an der Wand, greift aber in den Raum vor der Wand hinein. Du siehst deshalb nicht nur eine Darstellung von Volumen, sondern begegnest einem Bildkörper, dessen reale Tiefe und gemalte Erscheinung voneinander abweichen können.
Farbe, Licht, Symmetrie und Körpermaß
Farbverläufe modellieren die Formen ähnlich wie Licht auf einer Kugel. Helle Zonen scheinen hervorzutreten, dunklere Bereiche zurückzuweichen. Gleichzeitig wirft ein eingebautes Relief einen echten Schatten. Beide Systeme überlagern sich, und das Auge muss entscheiden, welcher räumliche Hinweis verlässlich ist.

Eine allgemeine Farbpsychologie kann Stimmungen und Assoziationen erklären. Für Hollowells Raumwirkung ist jedoch zusätzlich wichtig, wo ein Farbton heller, dunkler oder glänzender wird. Nicht die einzelne Farbe erzeugt das Volumen, sondern ihre Abstufung über der Form.
Symmetrie stabilisiert diese wechselhafte Wahrnehmung. Viele Elemente gruppieren sich spiegelbildlich um eine senkrechte Mitte, die an die Achse eines aufrechten Körpers erinnert. Auch der Maßstab stellt eine Beziehung zu dir her: Rundungen und Öffnungen können an Körperteile erinnern, während das gesamte Bild als Gegenüber im Raum erscheint.
Ein praktischer Leseschlüssel hilft dir, diese Ebenen auseinanderzuhalten:
- Suche die vertikale oder horizontale Hauptachse.
- Verfolge Mandorlen, Ovale, Kielbögen und aufrechte Rundformen zunächst nur als Konturen.
- Prüfe, welche Bereiche wirklich aus der Oberfläche hervortreten.
- Vergleiche reale Schlagschatten mit gemalten Hell-Dunkel-Verläufen.
- Wechsle die Distanz: Aus der Ferne dominiert häufig die Ordnung, aus der Nähe das Material.
„Boob Wheel“ im Detail und Hollowells Beitrag
„Boob Wheel“ von 2019 eignet sich besonders gut für eine Nahsicht, weil Aufbau und Wahrnehmung eng miteinander verzahnt sind. Das Werk gehört zur Sammlung des Hirshhorn Museum and Sculpture Garden. Seine dokumentierte Materialkombination zeigt zugleich, dass Hollowells Reliefwirkung weder nur gemalt noch nur skulptural ist.
Nahsicht auf „Boob Wheel“ von 2019
Hollowell verwendete Öl, Acryl, Sägemehl und hochdichten Schaumstoff auf Leinwand und einer montierten Holzplatte. Wer die Unterschiede dieser Farbmittel nachvollziehen möchte, findet bei den Grundlagen der Acrylmalerei einen passenden Einstieg. In „Boob Wheel“ dienen die Materialien jedoch gemeinsam einem Bildaufbau, der Fläche und tatsächliches Volumen verschränkt.
Fünf Hauptformen sind entlang senkrechter und waagerechter Lichtachsen organisiert. Von oben nach unten kannst du sie so verfolgen:
- Ganz oben sitzt ein blaues Oval.
- Darunter spannt sich eine große purpurrote Form wie ein umgedrehtes U weit nach unten.
- Unter dem Bogen liegt links ein leuchtend blaues Halboval, das an eine Brust erinnert und aus der Leinwand hervortritt.
- Rechts daneben sitzt ein zweites blaues, ebenfalls vorstehendes Halboval.
- Im Inneren der U-Form erscheint eine windradähnliche Figur. Zwei übereinandergesetzte dreidimensionale blaue Halbkreise bilden ihr Zentrum; gebogene hellblaue Linien und rote Punkte strahlen nach außen.
Die fünf Formen ergeben beinahe ein Spiegelbild entlang der senkrechten Mitte. Diese Achse kann wie eine Wirbelsäule gelesen werden, während die waagerechte Lichtlinie die Anordnung zu einer kreuzförmigen Struktur bindet. Die Windradform greift zugleich das „Wheel“ des Titels auf.
Besonders aufschlussreich sind die vorstehenden blauen Elemente. Sie besitzen echte Tiefe und werfen reale Schatten auf die Oberfläche. Diese Schatten entstehen durch das Licht im Ausstellungsraum. Daneben modellieren gemalte Übergänge weitere Rundungen und Vertiefungen.
Genau daraus entsteht das visuelle Rätsel. Ein realer Vorsprung kann durch seine Bemalung flacher wirken, während eine flache Passage plastisch erscheint.
Aus größerer Entfernung hält die Symmetrie alles zusammen. Bei genauer Betrachtung lassen sich die tatsächlichen Vorsprünge mit der gemalten Modellierung vergleichen. Der Titel lenkt die Wahrnehmung zur Brust, doch das Werk geht nicht in diesem Verweis auf. Körper, Radform, Achsen und Material bilden ein System, in dem Wiederholung zugleich körperlich und geometrisch wirkt.
Georgia O’Keeffe als frühe Referenz
Hollowell nennt Georgia O’Keeffe als wichtigen frühen Einfluss. Diese Verbindung sollte präzise bleiben: Ein dokumentierter Einfluss ist mehr als eine flüchtige optische Ähnlichkeit, bedeutet aber keine direkte Fortsetzung des älteren Werks. Hollowell übernimmt keine fertige Bildformel. Sie entwickelt eine eigene Verbindung aus Körperverweis, strenger Symmetrie und gebauter Oberfläche.
Alfred Stieglitz porträtierte Georgia O’Keeffe um 1920 bis 1922. Bild: Alfred Stieglitz via Wikimedia Commons, lizenziert unter Public domain.
Der Vergleich hilft deshalb vor allem als historische Orientierung. Er zeigt, dass körperlich lesbare Abstraktion eine Vorgeschichte besitzt. Hollowells Relieftechnik, ihre autobiografischen Werkgruppen und das Spiel zwischen tatsächlichem und gemaltem Schatten setzen jedoch andere Schwerpunkte.
Agnes Pelton und Ghulam Rasool Santosh
Als weitere historische Verbindung nennt Hollowell Agnes Pelton, besonders mit Blick auf Farbe und Licht. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelnes übernommenes Motiv. Nähe entsteht durch die Frage, wie gemaltes Licht einer geometrischen oder biomorphen Form räumliche und emotionale Spannung geben kann.
Auch Ghulam Rasool Santosh gehört zu den von Hollowell benannten Referenzen und wird der neo-tantrischen Malerei zugeordnet. Im Zusammenhang mit Santosh meint „neo-tantrisch“ eine moderne abstrakte Malerei, die geometrische Zeichen aus tantrischen Bildtraditionen aufgreift. Daraus folgt jedoch keine gemeinsame Herkunft aller Formen in Hollowells Bildern: Der Lingam-Begriff kommt aus dem Sanskrit-Kontext, während die Mandorla eine eigene Geschichte in der christlichen Sakralkunst besitzt. Keine dieser Traditionslinien erlaubt Rückschlüsse auf Hollowells persönliche Religion oder Spiritualität.
Diese Unterscheidung schützt vor einer häufigen Abkürzung: Ähnliche Ovale, Achsen oder Lichtfelder beweisen für sich allein keinen Einfluss. Bei O’Keeffe, Pelton und Santosh ist die Beziehung belastbarer, weil Hollowell diese Namen selbst in die Einordnung ihrer Arbeit aufgenommen hat.
Museen, Rezeption und bleibender Beitrag
Mehrere konkrete Sammlungseinträge belegen die institutionelle Rezeption. Neben „Boob Wheel“ im Hirshhorn Museum befindet sich „Split Orbs in brown, green, crimson and purple“ von 2021 im Centre Pompidou. Das Lenbachhaus in München führt „Split orbs in pink, blue and push“, ebenfalls von 2021, in seiner Sammlung.
Diese Rezeption berührt auch eine kunsthistorische Leerstelle. Geburt wurde in der westlichen Kunstgeschichte lange nur selten aus der eigenen körperlichen Erfahrung heraus dargestellt. Hollowell begegnet diesem Problem nicht mit anatomischer Illustration. Sie entwickelt dafür eine abstrakt-figurative Sprache aus Öffnung, Teilung, Dehnung, Achse und räumlichem Druck.
Ihr Beitrag lässt sich deshalb nicht allein an wiedererkennbaren Rundformen festmachen. Hollowell übersetzt innere Körpererfahrung in Maßstab, Wiederholung, Farbe und materielle Tiefe. Bis zur „Overview Effect“-Serie von 2026 blieb dieses System veränderbar: Nicht ein festes Symbol, sondern der wechselnde Blick auf den Körper treibt die Entwicklung voran.
Häufige Fragen zu Loie Hollowell
Diese vier Antworten ergänzen die Biografie um praktische Hinweise zu Ausstellungen, Publikationen und Museumsbeständen.
Welche Ausstellung rückte Hollowells Pastellzeichnungen ins Zentrum?
„Tick Tock Belly Clock“ im Manetti Shrem Museum war Hollowells erste Ausstellung mit einem Schwerpunkt auf weichen Pastellzeichnungen. Gezeigt wurden neue Arbeiten aus den Jahren 2020 und 2021.
Was bedeutet „Museumssurvey“ bei „Space Between“?
Ein Survey ist eine rückblickende Überblicksausstellung, die eine künstlerische Entwicklung über mehrere Jahre zusammenführt. „Space Between“ war 2024 Hollowells erster Museumssurvey und umfasste rund zehn Jahre ihrer Praxis. Danach reiste die Ausstellung an das Institute for Contemporary Art der Virginia Commonwealth University.
Welche Publikation begleitete „Space Between“?
Die Ausstellung wurde von Hollowells erster Monografie begleitet. Eine Monografie ist eine Buchpublikation, die sich ausführlich einer einzelnen Person oder einem klar begrenzten Thema widmet.
Ist ein Werk aus einer Museumssammlung ständig ausgestellt?
Nein. Ein Sammlungseintrag bedeutet, dass ein Museum das Werk bewahrt und wissenschaftlich bearbeiten oder präsentieren kann. Ob es gerade zu sehen ist, hängt von der aktuellen Sammlungspräsentation ab.
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du Plessis, A. (2026, 9 September). Loie Hollowell – Körper, Farbe und abstrakte Reliefs. Malen Lernen. https://malen-lernen.org/loie-hollowell-biografie/
Alicia, du Plessis, “Loie Hollowell – Körper, Farbe und abstrakte Reliefs.” Malen Lernen. September 9, 2026. URL: https://malen-lernen.org/loie-hollowell-biografie/
du Plessis, Alicia. “Loie Hollowell – Körper, Farbe und abstrakte Reliefs.” Malen Lernen, September 9, 2026. https://malen-lernen.org/loie-hollowell-biografie/.







