Faro Santander eröffnet: Was hinter den 1.000 Kunstwerken steckt
König Felipe VI hat Faro Santander am 7. September 2026 offiziell eingeweiht; am 8. September öffnet das neue Kunstmuseum im ehemaligen Hauptsitz des Banco Santander für die Öffentlichkeit. Entscheidend ist nicht nur die Größe der mehr als 1.000 Werke umfassenden Bankkollektion, sondern auch, welche Bestände tatsächlich gezeigt werden und wem sie gehören.
Faro Santander ist offiziell eröffnet
Die Einweihung am 7. September fand im Beisein von Ana Botín, dem Museumsdirektor Daniel Vega Pérez de Arlucea und dem Architekten David Chipperfield statt. Die offizielle Mitteilung des Banco Santander bestätigt die öffentliche Eröffnung für den folgenden Tag.
Faro bezieht das Edificio Pereda am Paseo de Pereda, dessen Ursprünge bis 1795 zurückreichen und das seit 1923 als Bankgebäude diente. Chipperfields Umbau verteilt mehr als 10.000 Quadratmeter Nutzfläche auf zehn Ebenen; knapp 3.000 Quadratmeter sind für Ausstellungen vorgesehen. Der charakteristische Bogen zwischen den Gebäudeteilen blieb erhalten und wurde zum zentralen Zugang umgestaltet.
Die häufig genannte Zahl von 1.000 Werken darf dabei nicht als Zahl der ausgestellten Objekte verstanden werden. Sie beschreibt den über Jahrzehnte aufgebauten Gesamtbestand der Bank, zu dem neben Gemälden auch Grafik, Kunsthandwerk, Münzen und audiovisuelle Arbeiten gehören. Die Kernsammlung erhält im vierten Stock eine dauerhafte, aber wechselnde Präsentation.

Das Edificio Pereda während des Umbaus zum Faro Santander im März 2026. Foto: Emilio Gómez Fernández, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten.
Drei Eröffnungsblöcke mit unterschiedlichen Eigentümern
Im Eröffnungsprogramm treffen eine Unternehmenssammlung, eine privat besessene und international verwaltete Sammlung sowie eine aus Leihgaben zusammengestellte Ausstellung aufeinander. Der gemeinsame Ausstellungsort ändert weder die Eigentumsverhältnisse noch die jeweilige Laufzeit.
| Präsentation | Eigentum und Status | Laufzeit |
|---|---|---|
| Banco Santander | Privater Kunstbestand der Bank; dauerhaft in wechselnder Auswahl | Eröffnungshängung: 8.9.2026–10.1.2027 |
| Gelman Santander | Eigentum der Familie Zambrano; Verwaltung durch die Fundación Banco Santander | 8.9.2026–10.1.2027 |
| Leonora Carrington | Leihgaben mehrerer Eigentümer; Villa Pilar gehört der Familie Morales | 8.9.2026–31.1.2027 |
Eine frühere Programmmeldung nannte für die Bankausstellung noch pauschal Februar 2027; die heutige Ausstellungsseite nennt den 10. Januar. Bei Carrington wurde zunächst ebenfalls der 10. Januar angegeben, während der aktuelle institutionelle Eintrag den 31. Januar nennt. Für einen Besuch sind diese jüngeren Datensätze maßgeblich.
Der Zusatz „Santander“ im Namen der Gelman-Sammlung bezeichnet somit die langfristige Verwaltung, nicht einen Eigentumswechsel. Auch die Carrington-Schau gehört nicht zur Sammlung der Bank: Faro organisiert sie gemeinsam mit dem Freud Museum London und führt Werke aus verschiedenen Quellen zusammen.
Von Velázquez bis Frida Kahlo und Leonora Carrington
Obras maestras de la Colección Banco Santander umspannt fast fünf Jahrhunderte, von Lucas Cranachs Predigt Johannes des Täufers aus der Zeit um 1537 bis 1540 bis zu Juan Uslés Soñé que revelabas von 2018. Kuratorin María Dolores Jiménez-Blanco gliedert die Auswahl nicht chronologisch, sondern nach sakralen Geschichten, Porträts, Stillleben und Landschaften. Dadurch können etwa Rubens, Antoni Tàpies und Ángela de la Cruz unmittelbar aufeinander reagieren.
Zu den alten Meistern gehört Diego Velázquez’ Las lágrimas de san Pedro von 1618/19. Hinzu kommen El Grecos monumentale Verkündigung, Rubens’ Samson und der Löwe sowie Goyas Porträt des Valentín Bellvís de Moncada y Pizarro. Sie zeigen, dass Faro nicht nur ein Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst ist, sondern einen historisch weit gespannten Malereibestand erschließt.
Die Gelman-Ausstellung setzt einen deutlich anderen Schwerpunkt. Faro beschreibt die Auswahl als knapp hundert Werke der mexikanischen Moderne, darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografie. Im Zentrum stehen Frida Kahlos Selbstbildnisse Diego en mi pensamiento und Autorretrato con monos, beide von 1943, sowie Diego Riveras Porträt von Natasha Gelman. Eine Einordnung bieten die Biografie von Frida Kahlo und der Überblick über ihre wichtigsten Gemälde.
Die dritte Hauptausstellung behandelt Leonora Carringtons Arbeiten aus den Jahren 1939 bis 1944. Ihr besonderer Bezug zu Santander entsteht durch die Monate, die Carrington 1940 in einer dortigen psychiatrischen Klinik verbrachte. Erstmals werden die beiden in dieser Zeit entstandenen Ölbilder Down Below und Villa Pilar mit verstreuten Skizzenbüchern und Dokumenten zusammengeführt. Villa Pilar, ein Bild mit vier anthropomorphen Wesen im Besitz der Familie Morales, war vom 1. Juli bis 10. August 2026 erstmals im Freud Museum London öffentlich zu sehen, bevor es nach Santander kam.

Diego Velázquez, Las lágrimas de san Pedro (1618–1619), Colección Banco Santander. Reproduktion via Wikimedia Commons, Creative Commons Public Domain Mark 1.0.
Warum 30 Gelman-Werke nur vorübergehend aus Mexiko ausreisen
Die Gelman-Sammlung ist nicht deshalb rechtlich sensibel, weil Faro sie ausstellt, sondern weil ein Teil der privat besessenen Werke in Mexiko als „Monumento Artístico“ registriert ist. Das mexikanische Instituto Nacional de Bellas Artes y Literatura erklärte am 26. März 2026, dass dies auf 30 Arbeiten zutrifft. Sie bleiben registriert, katalogisiert und unter Aufsicht des Instituts.
Nach derselben Erklärung überträgt die Vereinbarung mit der Fundación Banco Santander weder das Eigentum noch verändert sie den rechtlichen Status. Die betreffenden Werke dürfen Mexiko nur mit zeitlich begrenzten Genehmigungen verlassen; Erhaltung und Rückkehr müssen dabei gewährleistet werden. Eine dauerhafte Ausfuhr wurde für diese Reise nicht genehmigt.
Die Kontroverse ist dennoch nicht abgeschlossen. The Art Newspaper berichtete am Eröffnungstag, dass ein Bürgerkollektiv im Juli rechtlich gegen die Vereinbarung vorgegangen sei. Der Bericht nennt noch keine gerichtliche Entscheidung. Bis zu einer anderslautenden Entscheidung gilt deshalb der vom INBAL beschriebene Status der genehmigten, vorübergehenden Ausfuhr.
Auch die Baukosten brauchen eine genauere Lesart. In einer Ankündigung von 2018 veranschlagte Santander 40 Millionen Euro für das „Proyecto Pereda“. Diese Zahl bezog sich ausdrücklich auf die Umgestaltung zweier Bankgebäude, nicht auf eine abschließende Abrechnung des heute eröffneten Museums. Santander und der Museumsdirektor nannten The Art Newspaper auf Nachfrage keinen aktualisierten Betrag. Ein endgültiger Preis für Faro Santander ist daher weiterhin nicht öffentlich bekannt.

Ein neuer Kunstschwerpunkt an der Bucht von Santander
Faro erweitert eine Museumslandschaft, die sich auf engem Raum verdichtet. Das von Renzo Piano entworfene Centro Botín wurde 2017 in den Jardines de Pereda eröffnet und konzentriert sich auf moderne und zeitgenössische Kunst. Ab 2027 soll zudem das 2022 vom spanischen Staat erworbene Archivo Lafuente einen eigenen Standort als Außenstelle des Museo Reina Sofía in Santander erhalten. Faro bringt in dieses Gefüge insbesondere alte europäische Meister, mexikanische Moderne und den umfangreichen Kunstbesitz einer Bank ein.
Diese Häuser sind keine gemeinsame Institution und ihre Sammlungen werden nicht zusammengelegt. Trotzdem entsteht für Besucher ein sinnvoller Parcours: Das Centro Botín steht für wechselnde Gegenwartskunst, das künftige Archivo Lafuente für Dokumente und Archive der Avantgarden, Faro für eine epochenübergreifende Sammlung sowie internationale Leihgaben.
Zum Auftakt ist der Eintritt vom 8. bis 17. September kostenlos, eine Zeitfensterreservierung bleibt jedoch erforderlich. Während dieser Eröffnungsphase ist Faro täglich von 10 bis 19 Uhr zugänglich. Danach kostet der reguläre Eintritt 14 Euro, ermäßigt 7 Euro; Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Aktuelle Zeitfenster und mögliche Änderungen veröffentlicht das Museum auf seiner Seite zur Besuchsplanung.

Das Centro Botín in den Jardines de Pereda. Foto: Emilio Gómez Fernández, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten.
Mehr als eine neue Adresse für 1.000 Werke
Die Bank besitzt die mehr als 1.000 Werke umfassende Kernsammlung, zeigt davon aber jeweils nur eine wechselnde Auswahl. Die Familie Zambrano gilt als Haupteigentümerin des von Santander verwalteten Bestands; Diego Riveras geschütztes Gemälde Niños con girasoles (Girasoles) gehört laut dem veröffentlichten Abkommen jedoch einem anderen Sammler.







