In beinahe allen Kulturen hat die Rose eine wichtige Symbolik. Sie steht für Schönheit, Anmut, Liebe, Lebensfreude und Vollkommenheit. Kein Wunder also, ist sie auch ein beliebtes Motiv zum Zeichnen. Dabei ist das Rose zeichnen durchaus anspruchsvoll: Es gibt verschiedene Schichten von Blütenblättern und die Schattierungen sind ebenfalls eine Herausforderung.

Unsere Gastautorin Josephine Cordes zeigt dir in diesem Blogbeitrag, wie du Schritt für Schritt das Rosen malen lernen kannst. Dabei zeigt sie dir mit Fotos der einzelnen Arbeitsschritte den Entstehungsprozess und gibt dir viele Tipps und Tricks, damit du auch als Anfänger deine erste Rose Zeichnung erfolgreich erstellen kannst.

 

 

 

Diese Materialien benötigst du

 

Papier:

Für die Aquarellmalerei ist das richtige Papier von essentieller Bedeutung, da die Farbe mit sehr viel Wasser aufgetragen wird und bei der Verwendung von falschem Papier die Farben keine schönen Verläufe zeigen. Sofern du noch nicht mit den Grundtechniken von Aquarell vertraut bist, würde ich dir empfehlen, dazu erstmal ein Aquarellmalerei Tutorial anzuschauen oder dich zu belesen.

Es empfiehlt sich also in einen vernünftigen Aquarell Block zu investieren, da man sonst schnell verzweifeln kann und gar nicht erst weitermachen möchte. Empfehlen kann ich zum einen das Papier von Canson z.B.: Moulin du Roy, den Bamboo Mixed Media Block von Hahnemühle oder auch zu empfehlen ist das Cold Press Papier von Strathmore.

 

Pinsel:

Echthaar Pinsel sollen besonders wasseraufnahmefähig sein, es gibt aber mittlerweile auch gute synthetische Alternativen welche auch nicht so preisintensiv sind. Ich benutze gerne den Pinsel Nr.1 von Raphael, sowie die Kolinsky Pinsel von Roufloff.

 

watercolor rose

 

Farben:

Ich benutze die gängigen Aquarell Näpfchen von Schminke oder Lukas. Letztendlich reicht es, mit den Standardfarben zu arbeiten, da man sich eigene Farbtöne leicht mischen und mit der Variation der Wassermenge aus ein und derselben Farbe viele verschiedene Nuancen zaubern kann.

 

Weitere Utensilien:

Du benötigst ausserdem ein Glas Wasser, Küchentuch, Bleistift und ein Radierer.

 

 


 

Rose Malen – Verschiedene Wege zum Ziel

 

Loose Watercolor Rose

Hierbei verzichtet man auf ein genaues, detailreiches Darstellen der Rose und versucht stattdessen ihre Form eher lose einzufangen. Dazu muss man die grobe Anatomie einer Rose im Kopf haben um zu wissen wo man die Pinselstriche platziert.

 

rose aquarell

 

Detaillierte Darstellung der Rose

Nach Erstellung einer detaillierten Skizze mit Bleistift, orientiert man sich im Gegensatz zum losen Erfassen einer Rose, schon recht genau an dem Vorbild. Die Kunst hierbei ist es meines Erachtens die Blüte so realistisch wie möglich darzustellen, ohne dass es wie ein Foto wirkt. Dabei ist darauf zu achten, dass man sich was die Blütenblätter betrifft nicht verzettelt. Es ist okay, hier und da ein Blatt auszulassen, solange die Form am Ende einigermassen hinkommt.

 

 


 

Step-by-Step-Anleitung Rose zeichnen

 

Skizze der Rose

Wichtig ist, einen Bleistift zu verwenden, der relativ fein ist und dass man nur so leicht wie möglich aufdrückt. Ausserdem sollte man die Skizze nur als grobe Orientierung nehmen, damit man die Skizze nach dem Aquarellieren wieder wegradieren kann. Je nach Beschaffenheit des Papiers kann es auch sein, dass man die Bleistiftstriche nicht mehr wegradieren kann. Um dem vorzubeugen, kann man auch mit einem wasservermalbaren Buntstift in einer ähnlichen Farbe wie die der Rose die Skizze anfertigen. Diese Striche werden dann durch den Kontakt mit Wasser verschwinden.

 

Licht und Schatten festlegen

Bevor man zu aquarellieren beginnt, sollte man sich das zu malende Objekt genau anschauen und festlegen, wo das Licht am wenigsten hingelangt und es somit am meisten Schatten gibt und wo das Licht am meisten hinkommt und die Blätter am hellsten sind.

Die genaue Beobachtung von Licht und Schatten ist entscheidend dafür, dass die Rose Tiefe bekommt und realistisch aussieht.

 

Die ersten Pinselstriche

Eine Rose ist zumeist so aufgebaut, dass die Blätter im inneren Bereich dichter zusammen stehen und folglich deshalb auch weniger Licht in diese Bereiche gelangt. Nach Aussen haben die Blätter mehr Platz sich zu entfalten und sind deshalb grösser und im äusseren Bereich jedes Blattes heller. Zudem Überlappen die Blütenblätter einander.

aquarell wet in wet

Diese Dinge im Hinterkopf behaltend nimmt man mit dem Pinsel die gewünschte Farbe mit relativ wässriger Konsistenz auf und beginnt, wenn man sich einen Kreis vorstellt, im inneren des Kreises mit eng angelegten halbmondförmigen Strichen. (1) Nach aussen werden die Pinselstriche breiter und grösser. (2) Ausserdem überlappen sie sich. (3) Mit diesem Aufbau lässt sich die Form einer aufgeblühten Rose einfach nachahmen. (4)

watercolor rose

Beim losen aquarellieren einer Rose kann man gut die Wet in Wet Technik anwenden. Dazu nimmt man Wasser mit dem Pinsel auf und malt wie oben beschrieben die Rose vor und nimmt anschliessend mit dem Pinsel die gewünschte Farbe auf und bringt sie auf die zuvor gewässerten Bereiche des Blattes. Jetzt läuft die Farbe wie von selbst dorthin wo vorher Wasser aufgebracht wurde und das ergibt sehr schöne Farbverläufe.

 

 


 

Rosen Zeichnen mit der Wet in Dry Technik

 

Die detaillierte Darstellung der Rose erkläre ich im Folgenden in der Wet in Dry Technik.

Das bedeutet im Gegensatz zur oben beschriebenen Methode, dass die Farbe auf das trockene Papier aufgetragen wird und man somit mehr Kontrolle über die Farbe und die Verläufe hat.

Wenn die Skizze erstellt ist, ermittelt man den hellsten Ton der Grundfarbe der Rose. (1) Zudem muss man jetzt genau schauen wo die hellsten, möglicherweise weissen Stellen der Rose sind, denn diese Bereiche müssen von Anfang an ausgespart werden. Da man mit Aquarell immer von hell nach dunkel arbeitet kann alles was einmal eingefärbt ist, nicht komplett wieder rückgängig gemacht werden. Also wird als nächstes mit dem hellsten Grundton (bis auf die hellsten Bereiche) die ganze Rose eingefärbt.

rose zeichnen tutorial

Nun arbeitet man sich wie schon gesagt, von hell nach dunkel weiter. (2) Hierbei hilft es im Hinterkopf zu behalten, das Aquarell beim Trocknen noch nachhellt und möglicherweise die dunkleren Bereiche mehrere Farbaufträge benötigen.

Die dunkelsten Stellen einer Rose, oder generell einer Blume sind zumeist die Bereiche im inneren der Blüte, wie die Blätter dicht beieinandersitzen, sowie die Bereiche wo die Blütenblätter zusammengehalten werden, bzw. wo sie aus dem Stengel herauskommen. Also werden diese Stellen mit einem etwas dunkleren Ton als dem Grundton gemalt. Mit etwas mehr dunklerer Farbe- ich nehme gerne erdige Töne um den Grundton der Rose einzudunkeln- z.B.: braun kann man nun auch schon die Stellen anlegen, die einem am dunkelsten erscheinen, als Orientierung sozusagen. (3)

rose zeichnen anleitung

Weiter geht es mit der nächsten Farbschicht – den Bereichen der Rose die weder hell noch dunkel sind. Diese Farbschicht legt man also intensiver als den Grundton, zwischen dem hellsten und dem dunkleren Bereich an. (4)

Nun werden die verschiedenen Farbaufträge etwas verblendet, damit es schöne Übergänge gibt und alles etwas wohlgefälliger wirkt. Dies kann man tun, indem man den Pinsel leicht feucht macht und somit die Farben aktiviert und in einander bringt.

Jetzt sieht man, dass die dunkleren Bereiche nochmals nachgearbeitet werden müssen. Durch das Verblenden und Aufbringen verschiedener Farbnuancen, sowie durchs Trocknen der Farbe, benötigt die Rose noch stärkere Kontraste um der Rose mehr Tiefe und Ausdrucksstärke zu verleihen. (5)

rose zeichnen lernen

malen von rosen

Nun sieht man schon den starken Kontrast zwischen den hellsten und den dunkelsten Bereichen der Blüte. Man kann jetzt noch hergehen und den Grundton der Rose nochmals aufbringen und hier und dort die aufgehellten Bereiche neu einfärben. (6)

Zum Schluss radiert man die Bleistift-Skizze weg, oder das was davon übrig ist. Herzlichen Glückwunsch, du hast deine erste Rose gezeichnet. Dann empfiehlt es sich erstmal das Bild irgendwo hinzustellen und von etwas weiter weg zu betrachten. Das hilft einem (das gilt übrigens für jede Art von Motiv)  einen Überblick über die Proportionen zu bekommen und möglicherweise Fehler zu sehen. Weiter sollte man jetzt erstmal die Farbe komplett trocknen lassen bevor man entscheidet, ob das Bild endgültig fertig ist.

Meistens stelle ich dabei fest, das mir der Kontrast noch nicht stark genug ist, oder die Verblendung noch etwas weicher gestaltet werden könnte.

rosen malen

 

 


 

Allgemeine Tipps

 

Als ich angefangen habe, Rosen zu malen, habe ich mir zunächst ein schon gemaltes Bild einer Rose vorgenommen dessen Stil ich mochte und den ich erlernen wollte. (Aber bitte diese Übungsbilder nicht als euer eigenes Erzeugnis öffentlich machen, ohne den Original Maler zu erwähnen!)

Das genaue Betrachten des Bildes ist auch hier unerlässlich damit man das, was man zuvor beobachtet hat, zu Papier bringen kann.

Dann habe ich mir fotografierte Rosen als Referenzbild gesucht und habe diese gemalt. Schwierig wird es bei einer Rose, die man vor sich liegen hat. Meine Erfahrung ist, dass ein Foto einen Gegenstand in die Ferne rückt und man es dadurch einfacher hat mit den Proportionen und der Erfassung des Gegenstandes.

Wenn man das Rose Zeichnen etwas mehr geübt hat und sich sicherer fühlt, kann man sich ein Stillleben bauen und eine echte Rose oder Blume als Referenz nehmen.

 

 

josephine cordes

Josephine Cordes

Die Grundschullehrerin von Josephine Cordes riet ihren Eltern dazu, das Talent das sie in Josephine sah zu fördern. Deshalb sahen sich ihre Eltern nach einer Möglichkeit um, dies auch zu tun. Letztendlich durfte sie dann während der Schulzeit bis zum Abitur jede Woche einmal Zeit mit einer alten Dame verbringen, die Malerin war. Sie brachte Josephine einige Grundlagen bei und erweckte ihre Liebe zu Aquarell. Nach dem Abitur studierte sie Zahnmedizin und hat während ihrem Studium und Arbeitsphase keinen Pinsel mehr angefasst. Nach ihrer Approbation und Promotion hat ich drei Jahre gearbeitet. 2009 heiratete Josephine und hat ihr erstes Kind bekommen, gefolgt von Nummer 2 und 3. 2016 begann Josephine Cordes mit dem Handlettering und fand darüber wieder zum Malen.

Seit 2016 malt sie deshalb auch wieder Aquarelle und hat sich mit Informationen aus verschiedenen Quellen weiterentwickelt. Neben der Aquarellmalerei malt sie auch gerne mit dem Medium Acryl und seit Neuestem auch mit Gouache. Das Malen von Rosen hat Josephine schon immer fasziniert und so hat sie sich zu Anfang intensiv mit verschiedenen Herangehensweisen befasst und ihre eigene Art entwickelt. Josephine lebt mit ihrer Familie im schönen Niedersachen auf dem Land in einem Dorf und ihr Traum ist es einmal ein eigenes kleines Atelier hier haben zu dürfen.

https://www.instagram.com/kreativkanal_

 


 

 

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Rose zeichnen – Einführung in das Malen von Rosen in Aquarell
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