Picasso-Museum Paris: Fünf Teams für 55-Millionen-Ausbau
Das Musée National Picasso-Paris hat am 11. September 2026 fünf Finalistenteams für Picasso 2030 benannt. Der privat finanzierte Ausbau umfasst einen öffentlichen Skulpturengarten, einen neuen Ausstellungsflügel und umgestaltete Besucherbereiche. Rund 40 Millionen Euro der berichteten Gesamtkosten von 55 Millionen Euro sollen aus dem Verkauf von vier der insgesamt acht autorisierten posthumen Picasso-Bronzen stammen.
Diese fünf Teams stehen im Finale
Im Wettbewerb treten keine fünf Einzelpersonen gegeneinander an. Nominiert wurden fünf multidisziplinäre Gruppen, in denen Architektur-, Denkmalschutz- und Landschaftsplanungsbüros zusammenarbeiten. Die Bekanntgabe des Museums vom 11. September nennt folgende Zusammensetzung:
- Antoine Dufour Architectes mit Wagon Landscaping
- Lina Ghotmeh—Architecture mit Pierre-Antoine Gatier und Florence Mercier
- NeM / Niney et Marca Architectes mit RCR und Jacqueline Osty
- Francesca Torzo mit Drubigny Architectes und Sarah Price Landscapes
- Stanton Williams mit Atelier PNG und Vogt
Diese Zuordnung ist relevant, weil ein Bericht von The Art Newspaper die letzten drei Gruppen anders zusammenstellt. Dort fehlt RCR, Francesca Torzo wird dem Eintrag von Stanton Williams zugeordnet, während Drubigny Architectes und Sarah Price Landscapes als fünftes Team erscheinen. Laut Museum bilden Torzo, Drubigny und Price jedoch eine Gruppe; Stanton Williams, Atelier PNG und Vogt eine weitere. RCR gehört zum Team von NeM und Osty.
Ein Siegerentwurf steht noch nicht fest, und auch die Vorschläge der Finalisten sind bislang nicht öffentlich. Eine internationale Jury unter dem Vorsitz von Museumspräsidentin Cécile Debray soll das Gewinnerteam im Januar 2027 auswählen.

Die Gartenseite des Musée National Picasso-Paris im Hôtel Salé. Foto: DiscoA340 über Wikimedia Commons, lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International; zugeschnitten.
Wie Picasso 2030 Kunst und Museum verbindet
Picasso 2030 besteht aus drei miteinander verknüpften Teilen. Der Museumsgarten soll mit dem benachbarten Square Léonor-Fini verbunden werden. In der neu entstehenden, öffentlich zugänglichen Landschaft sind ungefähr zehn Picasso-Bronzen vorgesehen. Außerdem soll ein rund 800 Quadratmeter großer Flügel für Wechselausstellungen entstehen. Im Erdgeschoss und Untergeschoss des Hôtel Salé werden die Bereiche für Eintrittskarten, Empfang, Buchhandlung, Café, Vermittlung und Veranstaltungen neu geordnet.
Das künstlerische Zentrum des Projekts ist der Garten. Die Sammlungsübersicht des Museums zählt 368 Skulpturen und dreidimensionale Werke. Das Haus bezeichnet seinen Bestand zugleich als weltweit bedeutendste öffentliche Picasso-Sammlung. Wenn eine Auswahl der Bronzen künftig im frei zugänglichen Garten steht, verändert sich deshalb nicht nur die Ausstellungsfläche: Besucherinnen und Besucher können den Skulpturen bereits begegnen, bevor sie eine Eintrittskarte kaufen.
Innerhalb von Picassos künstlerischem Werk verschiebt das Vorhaben ebenfalls den Akzent. In der öffentlichen Wahrnehmung dominieren seine Gemälde, während Picasso 2030 die Skulptur zum sichtbaren Auftakt des Museumsbesuchs macht. Die vier neuen Güsse für Paris sind benannt; eine vollständige Liste der ungefähr zehn geplanten Gartenbronzen wurde noch nicht veröffentlicht.

Die Gartenseite des Hôtel Salé, Sitz des Musée National Picasso-Paris. Foto: Ibex73/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Warum 50 und 55 Millionen Euro nicht zusammenpassen
Auf der offiziellen Wettbewerbsseite veranschlagt das Museum das Projekt mit 50 Millionen Euro. Die Berichte über die Präsentation vom 11. September, darunter die französische Ausgabe von The Art Newspaper, nennen dagegen 55 Millionen Euro. Auf der Museumsseite steht weiterhin der niedrigere Betrag; eine Erklärung für die Differenz von fünf Millionen Euro fehlt.
| Genannter Betrag | Zweck |
|---|---|
| 40 Mio. € | Vier von der DQ Art Foundation gekaufte posthume Güsse; der Erlös ist für Picasso 2030 bestimmt |
| 15 Mio. € | Spendenkampagne der Stiftung des Picasso-Museums bei französischen und internationalen Förderern |
| 60 Mio. € | Separate Spende der Don Quixote Foundation für Skulpturengarten und Pavillon des Rijksmuseum |
Bei Gesamtkosten von 55 Millionen Euro würde die gemeldete Bronzentransaktion ungefähr 73 Prozent des Pariser Projekts decken. Die übrigen 15 Millionen Euro entsprechen der beschriebenen Spendenkampagne. Würde weiterhin die ältere Museumsschätzung von 50 Millionen Euro gelten, bliebe nach dem Verkauf hingegen nur eine Lücke von zehn Millionen Euro. Es handelt sich somit nicht bloß um eine Rundungsdifferenz.
Die Amsterdamer Spende von 60 Millionen Euro darf nicht zur Finanzierung von Picasso 2030 addiert werden. Das Rijksmuseum gab im Januar bekannt, dass diese eigenständige Zuwendung dem Don Quixote Pavilion and Garden zugutekommt. Bei den im September genannten 40 Millionen Euro handelt es sich dagegen um den Kauf von vier Picasso-Güssen im Zusammenhang mit dem Pariser Vorhaben. Käuferin ist die DQ Art Foundation; die separate 60-Millionen-Euro-Spende stammt von der Don Quixote Foundation.
Acht neue Bronzegüsse nach sechs Entwürfen
Den Veröffentlichungen vom September zufolge wurden acht Bronzen nach Picassos Tod im Jahr 1973 hergestellt. Seine Erben genehmigten diese posthumen Güsse ausnahmsweise; gegossen wurden sie in St. Gallen in der Schweiz. Vier Exemplare bleiben in Paris: La Femme au jardin, Tête de femme, Buste de femme und Petite fille sautant à la corde.
Vier weitere Güsse wurden Berichten zufolge für eine Präsentation in Amsterdam an die DQ Art Foundation verkauft: Tête de femme, Petite fille sautant à la corde, La Chèvre und La Guenon et son petit. The Art Newspaper France nennt damit sechs verschiedene Entwürfe für die acht Güsse. Le Monde berichtet hingegen, die acht Bronzen gingen auf vier Originale zurück. Dieser Widerspruch ist bislang nicht aufgelöst.
Die Bezeichnung „posthume Bronze“ beschreibt die Objekte genauer als „neue Picasso-Skulptur“. In den Bestandsangaben des Museums wird La Femme au jardin als geschweißte und weiß bemalte Eisenarbeit aus dem Frühjahr 1930 geführt. La Chèvre entstand 1950 als originales Gipsmodell aus verschiedenen Materialien. Bei La Guenon et son petit handelt es sich um eine Gipskonstruktion vom Oktober 1951, in die Keramik, Metall und zwei Spielzeugautos eingearbeitet sind. Die neuen Objekte sind Bronzegüsse dieser Entwürfe und nicht jene ursprünglichen Modelle, die Picasso selbst in den genannten Materialien bearbeitete.
Auch bei der Datierung von La Chèvre bleibt eine Abweichung bestehen. Der Bericht von The Art Newspaper bezeichnet das Werk als „1952“, während der ständige Objekteintrag des Museums das ursprüngliche Modell auf 1950 datiert. Da nicht erklärt wird, worauf sich 1952 bezieht, ist 1950 das belegte Entwurfsjahr. Die spätere Jahreszahl sollte ohne weitere Einordnung nicht als Datum des Modells gelten.
Museum und Erben bezeichnen die Genehmigung der Güsse als Ausnahme. Nicht offengelegt sind bislang die Editionsnummern, Patinierungen, detaillierten Gießereizertifikate oder vertraglichen Bedingungen für spätere Eigentumsübertragungen. Diese Angaben sind wichtig, weil die Bronzen sowohl öffentlich ausgestellte Kunstobjekte als auch das wichtigste Finanzierungsinstrument eines nationalen Museumsprojekts sind.
Der Zeitplan bis zur geplanten Eröffnung
Das Museum kündigte Picasso 2030 im September 2025 an und startete den internationalen Architektur- und Landschaftswettbewerb am 29. Mai 2026. Die Bewerbungsfrist endete am 6. Juli. Am 7. September bestimmte die Jury fünf Kandidaten, die das Museum vier Tage später öffentlich bekannt gab. Entscheidung und Veröffentlichung fanden somit an unterschiedlichen Tagen statt.
Der offizielle Zeitplan sieht die Auswahl im Januar 2027 und ihre Bekanntgabe bis Februar vor. Die Bauarbeiten sollen 2028 beginnen, während das Museum geöffnet bleibt. Als Abschluss nennt das Haus Ende 2030. Télérama berichtete am 11. September dagegen von einer Fertigstellung im Jahr 2031. Solange das Museum seinen Plan nicht ändert, ist Ende 2030 der besser belegte Termin.

Das Hôtel Salé, Sitz des Musée National Picasso-Paris. Foto: Arthur Crbz/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Was feststeht – und was noch offen ist
Bestätigt sind fünf Finalistenteams, wobei ein Bericht drei Gruppen falsch zuordnet und RCR auslässt. Die offizielle Projektseite nennt 50 Millionen Euro, während die Berichterstattung vom September von 55 Millionen Euro ausgeht, ohne die Erhöhung zu erklären. Gemeldet sind außerdem acht autorisierte posthume Güsse nach sechs genannten Picasso-Entwürfen: vier bleiben in Paris, vier wurden für rund 40 Millionen Euro verkauft. Die eigenständige Amsterdamer Spende von 60 Millionen Euro gehört nicht zu dieser Summe.
Noch unbekannt sind der Siegerentwurf, die vollständige Werkliste für den Garten, das endgültige Budget sowie die Editions- und Gießereidokumentation der neuen Bronzen. Nach aktuellem Stand soll die Entscheidung im Januar 2027 fallen und Picasso 2030 Ende 2030 eröffnen, ohne dass das Hôtel Salé während der Bauarbeiten schließen muss.







