Patiño-Sammlung erzielt 38,74 Millionen Euro – Ingres mit Auktionsrekord
Die Sammlung von Graziella Patiño de Ortiz Linares erzielte am 23. September 2026 bei Christie’s Paris insgesamt 38.736.120 Euro. Angeführt wurde die Auktion von einem laut Christie’s neuen weltweiten Auktionsrekord für Jean-Auguste-Dominique Ingres. Hinter dem eindrucksvollen Ergebnis stehen jedoch vier unterschiedlich definierte Rekorde, ein zurückgezogenes Werk und mehrere Kennzahlen mit jeweils eigenen Bezugsgrößen.
Ein Weltrekord und drei Frankreich-Rekorde
Die vier von Christie’s gemeldeten Rekorde sind nicht gleichbedeutend. Nur das Ergebnis für Ingres bezeichnet das Auktionshaus als weltweiten Künstlerrekord. Die Preise für Fragonard, Watteau und Fra Bartolomeo stellen dagegen jeweils Rekorde für Versteigerungen in Frankreich dar.
| Künstler und Werk | Ergebnis | Rekordstatus |
|---|---|---|
| Jean-Honoré Fragonard, L’Instant désiré | 10.600.000 Euro | Frankreich-Rekord; weltweit zweithöchstes Ergebnis |
| Antoine Watteau, L’Île enchantée | 10.370.000 Euro | Frankreich-Rekord |
| Jean-Auguste-Dominique Ingres, Jules César | 2.362.000 Euro | Weltweiter Künstlerrekord |
| Fra Bartolomeo, View of an Italian Town | 768.000 Euro | Frankreich-Rekord |
Ein Frankreich-Rekord bezeichnet den höchsten Auktionspreis, den ein Werk des jeweiligen Künstlers auf dem französischen Markt erreicht hat. Er ist nicht automatisch ein weltweiter Künstlerrekord. Bei Jean-Honoré Fragonard ist diese Unterscheidung besonders wichtig: Christie’s nennt das für 10,6 Millionen Euro verkaufte Gemälde ausdrücklich das weltweit zweitteuerste Werk des Künstlers auf einer Auktion.
Auch der Rekord für Jean-Auguste-Dominique Ingres verlangt eine genauere Betrachtung. Laut dem Katalogeintrag von Christie’s umfasste das Los nicht nur das signierte und auf 1864 datierte Ölgemälde Jules César, sondern auch zwei vorbereitende Graphitstudien und einen eigenhändigen Brief. Napoleon III. hatte das kleine Gemälde für eine Darstellung im Zusammenhang mit seiner History of Julius Caesar in Auftrag gegeben. Später blieb es innerhalb der Familie Bonaparte, bevor Graziella Patiño de Ortiz Linares und Jorge Ortiz Linares es erwarben.
Die Verteilung der Preise zeigt, wie stark wenige Spitzenlose das Gesamtergebnis bestimmten. Fragonard und Watteau steuerten zusammen 20,97 Millionen Euro und damit 54,1 Prozent des gesamten Auktionserlöses bei. Nimmt man den Ingres, das für 1,28 Millionen Euro verkaufte La Nef de verdure von Hubert Robert und die Germain-Kandelaber für 3,399 Millionen Euro hinzu, erreichen diese fünf veröffentlichten Resultate zusammen 28,011 Millionen Euro – 72,3 Prozent der Gesamtsumme.

Wie stark war das Ergebnis von 38,74 Millionen Euro?
Die Auktion fand am 23. September statt; Christie’s und The Art Newspaper France berichteten am folgenden Tag über das Ergebnis. Die Mitteilung nach der Auktion nennt einen exakten Gesamterlös von 38.736.120 Euro, 59 Lose und einen Anteil von 64 Prozent, der oberhalb der jeweiligen oberen Schätzpreise verkauft worden sei.
Die Zahl von 59 Losen entspricht nicht dem ursprünglich angekündigten Katalog. Im Mai hatte Christie’s 60 Lose mit einer gemeinsamen Schätzung von 23 bis 33 Millionen Euro vorgestellt. Die unabhängige Ergebnisanalyse von HENI verzeichnet den Rückzug von Antoine Le Nains The Little Dancers or The Preparation for the Dance vor der Auktion. Von den verbliebenen Losen wurden 51 verkauft; acht fanden keinen Käufer.
Bezogen auf die 59 tatsächlich angebotenen Lose beträgt die Verkaufsquote damit 86,4 Prozent. Die von HENI genannten 85 Prozent beziehen sich dagegen auf die ursprünglich angekündigten 60 Lose. Beide Werte lassen sich rechnerisch begründen, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Erst die Angabe des Nenners verhindert, dass das zurückgezogene Werk irrtümlich als unverkauftes Los erscheint.
Rein rechnerisch liegt der Gesamterlös 17,4 Prozent über der angekündigten oberen Schätzung von 33 Millionen Euro. Ein direkter Vergleich ist dennoch problematisch. Die veröffentlichten Bedingungen von Christie’s erklären, dass die Schätzpreise das Aufgeld nicht enthalten, die Ergebniszahlen jedoch einschließlich Aufgeld ausgewiesen werden. Zudem galt die ursprüngliche Schätzspanne für den Plan mit 60 Losen. Eine überarbeitete Gesamtschätzung auf Hammerpreisbasis für die 59 tatsächlich angebotenen Lose enthält die spätere Mitteilung nicht.
Auch die Angaben zu Verkäufen oberhalb der Schätzpreise verwenden offenbar verschiedene Definitionen. Christie’s nennt 64 Prozent, erläutert in der Mitteilung aber den zugrunde liegenden Nenner nicht. HENI zählt 37 von 49 verkauften Losen mit öffentlich bekannten Schätzungen oberhalb ihres oberen Schätzpreises, also 76 Prozent. Zwei weitere Verkäufe hatten unveröffentlichte Schätzungen; hinzu kamen die acht unverkauften Lose. Die beiden Prozentwerte sind daher keine austauschbaren Messgrößen für den gesamten Katalog.

Der Sitz von Christie’s France an der Avenue Matignon 9 in Paris, an dem die Sammlung Graziella Patiño de Ortiz Linares versteigert wurde. Foto: Mbzt via Wikimedia Commons, Creative Commons Attribution 4.0 International; beschnitten.
Starke dekorative Kunst, aber noch kein Beleg für einen Marktzyklus
Die Gemälde dominierten den Auktionserlös, doch auch die dekorative Kunst lieferte mehrere bedeutende Ergebnisse. Vier dreiarmige Kandelaber, die Thomas und François-Thomas Germain für den portugiesischen Königshof geschaffen hatten, erzielten 3,399 Millionen Euro. Eine vergoldete silberne Kanne mit Becken aus der Zeit Ludwigs XIV. von Nicolas Delaunay kam auf 768.000 Euro, vier silberne Leuchter von Pierre Massé auf 268.000 Euro.
Auch bei den Möbeln wurden hohe Schwellen überschritten. Ein Paar mit schwarzem Lack verzierter Eckschränke von Bernard II van Risenburgh, das mit einer Lieferung aus dem Jahr 1753 an das Château de Crécy von Madame de Pompadour in Verbindung gebracht wird, erzielte 1,152 Millionen Euro. Zwei Kommoden mit chinesischem Lack von Mathieu Criaerd wurden für 524.800 beziehungsweise 358.400 Euro verkauft.
Paul Gallois, bei Christie’s für Möbel und Kunsthandwerk in Europa verantwortlich, deutete die Ergebnisse als Zeichen einer seit einem Jahrzehnt anhaltenden „Renaissance“ des Marktes für dekorative Kunst. Die veröffentlichten Preise stützen eine engere Aussage: Seltene Objekte mit königlicher oder anderweitig herausragender Provenienz zogen innerhalb dieser konkreten Sammlung erhebliche Gebote an. Eine einzelne Auktion belegt jedoch noch keine breite und dauerhafte Markterholung. Auch die starke Konzentration des Erlöses auf fünf Lose spricht dagegen, die 38,74 Millionen Euro als gleichmäßig hohe Nachfrage in allen Kategorien zu lesen.

Ein Silberleuchter von François-Thomas Germain, 1756–1757 in Paris gefertigt und heute im Louvre. Es handelt sich um ein Vergleichsobjekt aus einem Museum, nicht um die bei der Versteigerung angebotenen Kandelaber der Patiño-Sammlung. Foto: Shonagon / Wikimedia Commons, CC0 1.0.
Was das Vorkaufsrecht von Versailles für 384.000 Euro bedeutet
Christie’s meldete, dass das Musée national du Château de Versailles bei einem Paar königlicher Wandleuchter aus der Zeit Ludwigs XV., die Jacques Caffieri zugeschrieben werden, ein Vorkaufsrecht zum Preis von 384.000 Euro ausgeübt habe. Durch die Erklärung rückte Versailles an die Stelle des letzten Bieters. Die staatliche Bestätigung musste innerhalb von 15 Tagen erfolgen.
Eine solche Präemption ist nicht mit einem gewöhnlichen Höchstgebot des Museums gleichzusetzen. Die Hinweise des französischen Kulturministeriums erläutern, dass der Staat den letzten Bieter ersetzen und das Objekt zum Zuschlagspreis für eine öffentliche Sammlung erwerben kann. Das Verfahren räumt der zuständigen Stelle nach der Auktion 15 Tage ein, um den Antrag zu bestätigen.
Christie’s bezeichnet die Leuchter bereits als Erwerbung von Versailles. Das Museum hat bislang jedoch weder mitgeteilt, wo noch wann sie ausgestellt werden sollen. Das Vorkaufsrecht kann ein Objekt für eine öffentliche Sammlung sichern; wann es tatsächlich zugänglich wird, hängt anschließend von Katalogisierung, Konservierung und Ausstellungsplanung des Museums ab.

Das Schloss Versailles, dessen Nationalmuseum sein Vorkaufsrecht für die Wandleuchter aus der Zeit Ludwigs XV. ausübte. Foto: Heidi Meudt / Wikimedia Commons, CC BY 4.0.
Die Auktion in fünf Punkten
- Christie’s erzielte am 23. September 2026 insgesamt 38.736.120 Euro und veröffentlichte das Ergebnis am folgenden Tag.
- Die Auktion brachte einen weltweiten Künstlerrekord für Ingres sowie drei Frankreich-Rekorde hervor – nicht vier Weltrekorde.
- Von 60 angekündigten Losen wurde eines zurückgezogen. 51 der 59 tatsächlich angebotenen Lose wurden verkauft, acht blieben ohne Käufer. Daraus ergibt sich eine Verkaufsquote von 86,4 Prozent.
- Die beiden Gemälde mit Preisen von jeweils mehr als zehn Millionen Euro lieferten zusammen 54,1 Prozent des Gesamterlöses. Das Resultat hing damit stark von Fragonard und Watteau ab.
- Der rechnerische Abstand von 17,4 Prozent zur oberen Schätzung vermischt Ergebnisse einschließlich Aufgeld mit Schätzungen ohne Aufgeld. Versailles wiederum ersetzte durch das Vorkaufsrecht den letzten Bieter für die Caffieri zugeschriebenen Leuchter, vorbehaltlich der staatlichen Bestätigung innerhalb von 15 Tagen.







