Die helle Fassade des MAK am Wiener Stubenring mit Bäumen und dem breiten Eingangsportal.

Nazli-Collier aus Wiener MAK geraubt: Was feststeht

Zwei Männer haben am 27. August 2026 gegen 14 Uhr im Wiener MAK ein Platin-Diamantcollier von 1939 aus einer Vitrine geraubt. Das für Königin Nazli von Ägypten geschaffene Schmuckwerk besteht aus 673 Diamanten; einer der Täter zeigte laut Polizei eine vermutlich echte Waffe, der andere schlug mit einem Hammer zu. Seit dem 28. August läuft die Fahndung national und international.

 
 

Was am 27. August im MAK geschah

Der offizielle Fahndungsaufruf der Landespolizeidirektion Wien setzt den Tatzeitpunkt auf 14 Uhr und den Tatort an den Stubenring. Zwei zunächst unbekannte Männer schlugen demnach eine Glasvitrine ein, nahmen das Collier und flüchteten. Umfangreiche Fahndungsmaßnahmen, unter anderem mit einem Personenspürhund, wurden eingeleitet; das Landeskriminalamt Wien übernahm die Ermittlungen.

Der am 28. August aktualisierte Bericht des ORF ergänzt den Ablauf um entscheidende Details. Die Männer kamen während der Öffnungszeit, kauften Eintrittskarten und bewegten sich zunächst als Besucher durch die Ausstellung. Einer trug den Hammer. Der andere zeigte offen eine nach Einschätzung der Polizeisprecherin vermutlich echte Waffe, setzte sie jedoch nicht ein. Die sichtbare Drohung sollte ihm den Weg freihalten. Verletzt wurde niemand.

Die Flucht lässt sich bislang nur bis zum Stadtpark nachzeichnen. Dorthin liefen die Männer zu Fuß; ob dort ein Fahrzeug wartete, ist unbekannt. Auch die Zahlungsweise beim Ticketkauf wird noch geprüft.

Am 28. August um 7 Uhr veröffentlichte die Polizei Überwachungsbilder und eine gemeinsame Beschreibung: Beide Gesuchten seien etwa 1,70 bis 1,75 Meter groß, schlank, dunkelhaarig und dunkelbärtig gewesen; sie trugen schwarze Oberbekleidung und dunkle Turnschuhe mit weißer Sohle. Bis zum Nachmittag lief die Suche laut ORF national und international.

 
Die helle Fassade des MAK am Wiener Stubenring mit Bäumen und dem breiten Eingangsportal.
Das MAK – Museum für angewandte Kunst am Wiener Stubenring. Foto: © CEphoto, Uwe Aranas / Wikimedia Commons, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International; cropped.

 
 

Warum das Collier mehr als ein Millionenobjekt ist

Das geraubte Stück ist kein austauschbarer Diamantschmuck. Van Cleef & Arpels führt das „Collaret“ in der eigenen historischen Sammlung und dokumentiert auf einer Archivseite zur Pariser Präsentation von 2022 exakt 355 runde sowie 318 Diamanten im Baguetteschliff. Zusammen ergeben sie die 673 Steine, die nun zur wichtigsten Erkennungseigenschaft des gestohlenen Werks geworden sind.

Das Pariser Haus fertigte das Collier 1939 für Königin Nazli von Ägypten. Sie trug es bei der Hochzeit ihrer Tochter Fawzia mit dem iranischen Kronprinzen Mohammad Reza Pahlavi. Seine streng symmetrische, strahlenförmige Komposition und die Verbindung aus Platin, runden Steinen und Baguettes gehören zur Formensprache des Art déco. Der historische Zusammenhang verknüpft königliche Provenienz, moderne Juwelierskunst und ein konkret datiertes Staatsereignis.

Der Identitätswert des Stücks liegt deshalb nicht nur im Material. Die unverwechselbare Anordnung, die dokumentierte Herkunft und frühere Ausstellungen machen das intakte Collier auf dem seriösen Markt leicht erkennbar. Ob die Täter genau dieses Werk gezielt auswählten oder im Auftrag handelten, hat die Polizei jedoch nicht bestätigt.

Das Museum für angewandte Kunst am Wiener Stubenring
Das MAK am Wiener Stubenring. Foto: Peter Gugerell, Wikimedia Commons, CC0 1.0.

 
 

Der Auktionskatalog erklärt die Karatangabe genauer

Der Sotheby’s-Katalog zu Los 506 beschreibt die Konstruktion detaillierter als die aktuelle Kurzformel „200 Karat“. Ein beweglich gelagerter zentraler Runddiamant wiegt ungefähr sechs Karat. Hinzu kommen 118 größere Runddiamanten mit zusammen etwa 134 Karat, kleinere runde Steine mit etwa 27 Karat und Baguettediamanten mit ungefähr 50 Karat.

Sotheby’s nennt ungefähre Teilgewichte, die rechnerisch rund 217 Karat ergeben; Van Cleef & Arpels beziffert das Gesamtgewicht dagegen auf 204,03 Karat. „200 Karat“ ist somit eine gerundete Größenangabe; sie bezeichnet nicht das Gesamtgewicht des Platinobjekts. Gerade bei einem wiederzuerkennenden Werk ist die Aufschlüsselung nützlicher als die runde Zahl, weil sie neben der Anzahl auch Schliffgruppen und Gewichtsschwerpunkte festhält.

Sotheby’s dokumentiert außerdem französische Punzen, die Jahresangabe 1939 und die frühere Zugehörigkeit zur Sammlung Königin Nazlis. Bereits 1975 war das Collier bei Sotheby Parke Bernet in New York angeboten worden. Bei einer erneuten New Yorker Versteigerung im Dezember 2015 erzielte es nach übereinstimmenden Berichten 4,282 Millionen US-Dollar. Der veröffentlichte Verkaufspreis von 4,282 Millionen US-Dollar enthielt das Aufgeld; der Zuschlag selbst lag bei 3,6 Millionen US-Dollar und ist keine amtliche Bewertung des Verlusts im Jahr 2026.

Fawzia Fuad und Kronprinz Mohammad Reza Pahlavi bei ihrer Hochzeit 1939
Fawzia Fuad und Kronprinz Mohammad Reza Pahlavi bei ihrer Hochzeit 1939. mashruteh.org, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

 
 

Panzerglas und Personenschutz sind kein Widerspruch

MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein erklärte am 28. August, die Ausstellung habe ein gemeinsam mit Van Cleef & Arpels entwickeltes Sicherheitskonzept genutzt. Die Objekte hätten in wandintegrierten Sicherheitsvitrinen mit Panzerglas gelegen, die Bewachung vor Ort sei an einen externen Dienstleister vergeben gewesen. Das moderne Videosystem habe den Tathergang umfassend aufgezeichnet.

Diese Darstellung ist für die Materialfrage maßgeblich, beantwortet aber noch nicht, wie die Täter die Vitrine mit einem Hammer öffnen konnten. Die Bezeichnung „Panzerglas“ verrät ohne Angaben zu Normklasse, Verbund, Rahmen, Verankerung sowie Zahl und Dauer der Schläge nicht, welchen Widerstand diese konkrete Installation bot. Technische Details oder ein mögliches Schadensbild hat das MAK nicht veröffentlicht.

Dass das Personal eine direkte Konfrontation vermied, wertet das Museum als vorgesehenen Teil des Ablaufs: Bei einer offen gezeigten Waffe hatte die sichere Räumung der Besucherinnen und Besucher Vorrang. Aus dem erfolgreichen Zugriff auf das Collier folgt daher nicht automatisch, dass das Personal falsch reagierte. Ungeklärt bleibt dagegen, ob die Vitrine und die Reaktionszeiten den vorgesehenen Widerstand tatsächlich erreichten.

Das MAK öffnete „Glanzstücke“ am 28. August nach Abstimmung mit der Polizei wieder. Die Ausstellungsseite des Museums nennt rund 500 Objekte: mehr als 300 aus der Sammlung von Van Cleef & Arpels und über 200 aus dem MAK. Die Schau soll regulär bis zum 27. September 2026 laufen.

 
 

Was bestätigt ist – und was offenbleibt

PunktStand am 28. August
TatZwei Männer kamen während der Öffnungszeit, kauften Tickets und entwendeten das Collier gegen 14 Uhr. Einer führte einen Hammer, der andere zeigte eine vermutlich echte Waffe.
FluchtZu Fuß in Richtung Stadtpark bestätigt; ein Fluchtauto oder der weitere Weg sind nicht bekannt.
WerkVan Cleef & Arpels, 1939, Platin, 673 Diamanten; das Haus führt es in seiner historischen Sammlung.
Marktpreis4,282 Millionen US-Dollar bei der Auktion 2015; aktueller Versicherungswert und Versicherungssumme sind nicht veröffentlicht.
VitrineDas MAK nennt wandintegriertes Panzerglas. Konstruktion und Schadensbild sind nicht offengelegt; dem Standard zufolge schlug einer der Täter 41-mal in weniger als vier Minuten auf die Scheibe ein und griff durch die entstandene Öffnung nach dem Collier.
MotivEin Auftragsdiebstahl ist nicht bestätigt. Auch eine Zerlegung des Colliers ist bislang nur eine Befürchtung, kein Ermittlungsergebnis.

 
 

Der gesicherte Stand zum Nazli-Collier

Das MAK nennt Panzerglas, Videoüberwachung und einen externen Sicherheitsdienst; warum die Vitrine dennoch überwunden wurde, ist damit nicht geklärt. Unbekannt bleiben der Aufenthaltsort des Colliers, die Identität der Männer, ihr Weg nach dem Stadtpark, ein mögliches Fahrzeug und die Versicherungssumme.

 

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert