Blick in einen Ausstellungsraum des Norton Simon Museum in Pasadena, das Lucas Cranachs Gemäldepaar „Adam und Eva“ zeigt.

Neue Restitutionsklage um Cranachs „Adam und Eva“

Eine am 14. September 2026 eingereichte Klage verlangt Lucas Cranachs des Älteren Gemäldepaar Adam und Eva vom Norton Simon Museum zurück. Der jahrzehntealte Eigentumsstreit ist nicht nur wieder offen: Zwei neue Gesetze sollen nun gerade jene Einwände ausschließen, an denen der frühere Rückgabeversuch scheiterte.

 
 

Was die neue Klage um „Adam und Eva“ verlangt

Die Jewish Federation-Council of Greater Los Angeles und ihr Vorstandsvorsitzender Daniel Gryczman reichten die Klage beim Superior Court von Los Angeles County ein. Nach einem Bericht der Los Angeles Times übertrug Marei von Saher ihnen am selben Tag ihre geltend gemachten Rechte an den Bildern. Von Saher ist die Schwiegertochter und Erbin des niederländisch-jüdischen Kunsthändlers Jacques Goudstikker.

Die Kläger verlangen die Rückgabe der um 1530 entstandenen, beinahe lebensgroßen Holztafeln. Cranach stellte Adam und Eva getrennt vor tiefschwarzem Grund dar; der Baum der Erkenntnis verbindet beide Bildfelder. Die schlanken Figuren und ihre kontrollierte Sinnlichkeit gehören zu Cranachs charakteristischer Bildsprache. Das Museum sieht in der Komposition zugleich eine Verarbeitung berühmter Stiche aus dem Werk Albrecht Dürers.

Die neue Klage behauptet, George Stroganoff-Scherbatoffs Anspruch auf die Tafeln habe auf einer unzutreffenden Darstellung früherer Eigentumsverhältnisse beruht. Das ist Parteivortrag und noch keine neue gerichtliche Feststellung. Die Norton Simon Art Foundation erklärte gegenüber der Los Angeles Times, sie prüfe die Klage und halte weiterhin an ihrem rechtmäßigen Eigentum fest.

Die Übertragung an die jüdische Wohlfahrtsorganisation bedeutet ebenfalls nicht, dass das Museum einen Eigentumswechsel anerkannt hätte. Nach Darstellung der Federation soll ein Großteil möglicher Erlöse aus einer Rückgabe bedürftigen Holocaustüberlebenden im Raum Los Angeles zugutekommen.

Zweispaltiger Vergleich: Im früheren Cranach-Verfahren trugen die Act-of-State-Doktrin und ein bestätigtes Summary Judgment die Abweisung. Der neue Rechtsrahmen sperrt diese Infografik von Malen Lernen, basierend auf U.S. Court of Appeals for the Ninth Circuit, United States Congress, California Senate Judiciary Committee.

 
 

Die Provenienz führt durch zwei Enteignungssysteme

Der Sammlungsdatensatz des Norton Simon Museum dokumentiert selbst eine außergewöhnlich belastete Kette. Die Bilder befanden sich nach dem Ersten Weltkrieg in einer Kirche in Kyjiw, wurden 1929 von der sowjetischen Regierung entfernt und 1931 bei Rudolph Lepke in Berlin als Teil einer „Stroganoff Collection“ versteigert. Goudstikker kaufte das Paar dort für 47.000 Reichsmark.

  • 1940: Nach der deutschen Besetzung der Niederlande gelangten die Tafeln über Alois Miedl an Hermann Göring. Das Museum bezeichnet den Vorgang in einer eigenen Stellungnahme als erzwungenen Verkauf.
  • 1945: Alliierte Kräfte bargen die Tafeln; der Münchner Central Collecting Point gab sie am 29. April 1946 zur Restitutionsabwicklung an die Niederlande aus.
  • 1966: Die Niederlande übertrugen sie nach einem 1962 erhobenen Anspruch an George Stroganoff-Scherbatoff.
  • 1971: Stroganoff-Scherbatoff verkaufte die Tafeln über Spencer A. Samuels & Co. an die Norton Simon Art Foundation.

Unstreitig ist damit, dass die Nationalsozialisten die Bilder aus Goudstikkers Kunsthandlung an sich brachten. Umstritten sind die rechtliche Wirkung der niederländischen Nachkriegsentscheidungen und die Frage, ob Goudstikkers Rechtsnachfolger ihren Anspruch damals aufgaben. Das Museum bejaht beides; von Saher und die neuen Kläger bestreiten die daraus abgeleitete Eigentumskette.

Von Saher verlangte die Bilder nach Angaben der neuen Klage erstmals 2000 vom Museum und klagte 2007 vor einem Bundesgericht. Im August 2016 sprach das District Court der Norton Simon Art Foundation das alleinige Eigentum zu. Der Ninth Circuit bestätigte das Ergebnis 2018, weil eine Entscheidung zugunsten von Saher mehrere hoheitliche Handlungen der Niederlande für unwirksam erklären müsste. Dafür wandte das Gericht die Act-of-State-Doktrin an.

Der Supreme Court lehnte am 20. Mai 2019 die Annahme der Berufung ab. Dadurch wurde das Urteil rechtskräftig; der Supreme Court erließ jedoch kein eigenes Sachurteil über die Eigentumskette.

Lucas Cranachs Gemäldepaar zeigt Adam und Eva als beinahe lebensgroße Figuren vor schwarzem Grund zu beiden Seiten des Baums der Erkenntnis.
Lucas Cranach d. Ä., Adam und Eva, um 1530, Öl auf Holz. Reproduktion: Norton Simon Art Foundation, via Wikimedia Commons, Public Domain Mark 1.0.

 
 

Warum der gescheiterte Anspruch 2026 zurückkehrt

Kalifornien schuf 2024 mit AB 2867 einen neuen Anspruch für Kunst und anderes Eigentum, das infolge politischer Verfolgung verloren ging. Der Gesetzestext zu Section 338.2 sieht grundsätzlich sechs Jahre ab der tatsächlichen Kenntnis von Objekt, Standort und eigenem Besitzanspruch vor. Bei schon früher bekannten Fällen gilt die längere Frist aus diesen sechs Jahren oder zwei Jahren ab Inkrafttreten am 16. September 2024.

Besonders wichtig für den Cranach-Streit ist die Wiederaufnahmeregel: Auch ein früherer Anspruch, der aufgrund bestimmter Eigentumseinwände oder aus verfahrensrechtlichen Gründen abgewiesen wurde, kann innerhalb von zwei Jahren erneut erhoben werden. Die Klage vom 14. September 2026 ging zwei Tage vor dem zweiten Jahrestag des Gesetzes ein.

Auf Bundesebene trat am 13. April 2026 Public Law 119-82 in Kraft. Der geänderte Holocaust Expropriated Art Recovery Act verbietet bei ansonsten rechtzeitigen Ansprüchen Einwände wie Verwirkung, Ersitzung und die Act-of-State-Doktrin. Bemerkenswert ist, dass der Kongress das Urteil Von Saher v. Norton Simon Museum ausdrücklich als Beispiel für eine nicht an der Sache selbst orientierte Abweisung nennt.

Die beiden Änderungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Kalifornien liefert den behaupteten Anspruch, eine Frist zur erneuten Klage und die Vorgabe, kalifornisches Sachrecht anzuwenden. Das Bundesgesetz nimmt Gerichten mehrere zeitbezogene und richterrechtliche Möglichkeiten, einen rechtzeitigen Fall ohne Entscheidung über die zugrunde liegende Eigentumsfrage zu beenden.

 
 

Die neuen Gesetze entscheiden noch nicht über das Eigentum

Weder Washington noch Sacramento haben Adam und Eva den Klägern zugesprochen. Zunächst muss das Gericht entscheiden, ob die neuen Vorschriften trotz des rechtskräftigen Urteils von 2016 einen neuen Anspruch zulassen. Erst danach könnten die Bedeutung der niederländischen Entscheidungen, die behauptete Rechtsnachfolge und die Eigentumswirkung des Verkaufs von 1966 erneut geprüft werden.

Bei der Formulierung des Museums, mehrere Gerichte einschließlich des Supreme Court hätten sein Eigentum bestätigt, ist jedoch zu unterscheiden: Das District Court erließ ein Eigentumsurteil, der Ninth Circuit bestätigte es auf Grundlage der Act-of-State-Doktrin, und der Supreme Court nahm den Fall nicht zur Prüfung an. Genau diese Doktrin hat der Kongress 2026 für ansonsten rechtzeitige HEAR-Ansprüche gesperrt.

Die Tafeln bleiben derweil als Kunstwerke präsent. Nach einer mehrjährigen Konservierung durch das Getty Museum kehrten sie 2024 nach Pasadena zurück. Die Behandlung stabilisierte die fast 500 Jahre alten Lindenholztafeln und entfernte verfärbte Firnisse sowie ältere Retuschen. Laut aktuellem Sammlungsdatensatz ist Adam weiterhin ausgestellt.

Blick über den Teich und die Skulpturen im Garten des Norton Simon Museum in Pasadena.
Skulpturengarten des Norton Simon Museum. Foto: Rrwagner59, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

 
 

Was für den neuen Cranach-Fall feststeht

  • Die Museumsprovenienz bestätigt die erzwungene Übertragung an Göring im Jahr 1940; der Streit betrifft vor allem die rechtliche Wirkung der späteren niederländischen Entscheidungen.
  • Der Ninth Circuit bestätigte die Abweisung 2018 auf Grundlage der Act-of-State-Doktrin; das Verfahren endete 2019 mit der Ablehnung des Certiorari-Antrags durch den Supreme Court.
  • Das kalifornische Gesetz eröffnete ein zweijähriges Fenster für bestimmte zuvor abgewiesene Ansprüche; die neue Klage wurde unmittelbar vor dessen zweitem Jahrestag eingereicht.
  • Über die Anwendbarkeit dieser Vorschriften und das heutige Eigentum an Adam und Eva ist in dem neuen Verfahren noch nicht entschieden.

 

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