Ein bemaltes Kalksteinrelief in der Mastaba des Ti aus der 5. Dynastie zeigt Figuren und Vieh in einer landwirtschaftlichen Szene.

Bemalte Doppel-Mastaba von Yunmin und Iti in Sakkara dokumentiert

Eine gemeinsame ägyptisch-spanische Mission hat in Sakkara zwei aneinandergrenzende Kapellen einer Doppel-Mastaba aus der späten 5. Dynastie vollständig ausgegraben und wissenschaftlich dokumentiert. Sie gehörten dem Beamten Yunmin und seinem Vater Iti. Entscheidend ist nicht allein, dass Farbe erhalten blieb: Die Räume besitzen unterschiedliche Bildprogramme, und die amtlichen Angaben zeigen, dass sich der Fund über mehrere Grabungskampagnen hinweg erschloss.

 
 

Was in der Doppel-Mastaba erhalten ist

Ägyptens Ministerium für Tourismus und Altertümer datiert die mittelgroße Mastaba in die Regierungszeit von Djedkare Isesi und verortet sie auf dem Mariette-Friedhof im Norden Sakkaras. Laut der amtlichen Mitteilung öffnen sich beide Grabkapellen in der Ostwand. Yunmins Hauptkapelle liegt im Norden, diejenige Itis im Süden.

An der auffällig gestalteten Fassade der nördlichen Kapelle erscheint eine förmliche Darstellung Yunmins, begleitet von Bestattungstexten und einer Opferformel. Im Inneren zeigen hochwertige erhabene Reliefs landwirtschaftliche Arbeiten und Prozessionen, die Gaben zum Grab bringen. Nach Angaben des Ministeriums haben zahlreiche Darstellungen ihre ursprüngliche Farbigkeit bewahrt.

Itis südliche Kapelle besitzt eine Scheintür und farbige Wanddekorationen mit Opfergaben. Das Ministerium stellt jedoch zugleich fest, dass ein großer Teil dieser Ausstattung verloren ist. Deshalb geht die Formulierung „Originalfarben intakt“ in einer Euronews-Schlagzeile über den Primärbefund hinaus: In Yunmins Reliefs sind beträchtliche Farbreste erhalten, die gesamte Anlage ist aber keineswegs intakt.

KapelleDokumentiertes Bildprogramm
Yunmin, NordenFörmliches Bildnis, Bestattungs- und Opfertexte, erhabene Landwirtschaftsszenen, Opferprozessionen und umfangreiche Farbreste
Iti, SüdenScheintür und farbige Opferszenen mit erheblichen Verlusten

Die Mission schloss nach Angaben des Ministeriums die Ausgrabung und vollständige wissenschaftliche Dokumentation beider Kapellen ab. Außerdem führte sie ein Konservierungs- und Restaurierungsprogramm für die architektonischen und dekorierten Elemente durch.

 
Ein bemaltes Kalksteinrelief in der Mastaba des Ti aus der 5. Dynastie zeigt Figuren und Vieh in einer landwirtschaftlichen Szene.
Landwirtschaftsrelief aus der 5. Dynastie in der Mastaba des Ti in Sakkara. Es dient als zeitgenössisches Vergleichswerk und stammt nicht aus dem neu dokumentierten Grab von Yunmin und Iti. Fotograf unbekannt; KU Leuven, EuroPhot collection, via Wikimedia Commons. Public domain; beschnitten.

 
 

Die „Entdeckung“ reicht von den 1860er-Jahren bis 2026

Das Wort „Entdeckung“ verkürzt einen langen Ablauf. Mariettes Arbeiten erschlossen den größeren Friedhofsbereich. Cervelló erklärte gegenüber EFE jedoch, erst die Kartierung des heutigen Teams habe zu dieser zuvor nicht verzeichneten Mastaba sowie zu Hinweisen auf zwei weitere Anlagen in der Nähe geführt.

  • 1860er-Jahre: Mariette grub in dem Mastabafeld, das heute als Mariette-Friedhof bezeichnet wird. Die gegenwärtige Mission beschreibt ihr Vorhaben als erneute Ausgrabung und Untersuchung dieses Bereichs.
  • 2023: Das UAB-Projekt wechselte in seine Konzession im Norden Sakkaras und begann dort mit der Arbeit. Räumliche, topografische, geologische, archäologische und geophysikalische Untersuchungen fanden im Juni statt.
  • 2024: Nun begannen die Ausgrabungen. Ein Bericht zur Kampagne hält fest, dass drei Wochen Feldarbeit Teile von drei zuvor nicht erfassten Mastabas an einer Nord-Süd-Straße freilegten. Ihre Kapellen waren damals noch nicht erreicht, die Namen ihrer Besitzer noch nicht bekannt.
  • April bis Juni 2026: Während der jüngsten Kampagne wurden die Kapellen von Yunmin und Iti ausgegraben und dokumentiert.
  • 7. bis 8. September 2026: Die UAB stellte die Ergebnisse am 7. September auf dem Iberoamerikanischen Kongress für Ägyptologie vor; anschließend erschienen die Nachrichtenberichte.

Die datierte Mitteilung der UAB ist genauer als Berichte, die von einer Sommergrabung sprechen: Die Kampagne erstreckte sich über April, Mai und Juni. Das sind die Grabungsdaten; der 7. September ist das Veröffentlichungsdatum der Universitätsmeldung.

Auch die Altersangaben der Schlagzeilen sind Schätzwerte und keine von der Mission verkündeten Messresultate. Euronews nennt das Grab 4.400 Jahre alt, während ANSA von 4.500 Jahren spricht. Archäologisch belastbarer ist die Formulierung des Ministeriums: späte 5. Dynastie, genauer die Regierungszeit Djedkare Isesis. Die beiden runden Zahlen sind unterschiedliche Überschlagsrechnungen für Schlagzeilen, keine konkurrierenden Grabungsdatierungen.

Vier Forschungsetappen in Sakkara: 1860er-Jahre, 2023, 2024 und April bis Juni 2026. Infografik von Malen Lernen, basierend auf Spanisch-ägyptische Mission in Sakkara (SEAMS), Autonome Universität Barcelona (UAB).

 
 

Warum die Reliefs mehr als Alltagsszenen sind

Die landwirtschaftlichen Darstellungen gehören zu einer etablierten Bildsprache, in der Bilder, Schrift, Architektur und Rituale zusammenwirkten. Ein Überblick des Metropolitan Museum of Art erläutert, dass Landwirtschafts- und andere Alltagsszenen in den Elitegräbern der 5. und 6. Dynastie verbreitet waren und den Verstorbenen im Jenseits versorgen sollten. Yunmins Opferprozessionen sind daher nicht bloß neutrale Aufzeichnungen landwirtschaftlicher Tätigkeiten. Sie verbildlichen die fortdauernde Versorgung seines Totenkults.

Ebenso aufschlussreich ist der Unterschied zwischen den beiden Kapellen. Yunmins Raum bewahrt ein breites erzählerisches Programm in erhabenem Relief. Im erhaltenen Ensemble Itis stehen dagegen die Scheintür und die Opfergaben im Mittelpunkt. Eine Scheintür sollte sich nicht physisch öffnen. Bei einem vergleichbaren Exemplar aus einer Grabkapelle der 5. Dynastie in Sakkara beschreibt das Met diese Form als stilisierten Durchgang und als rituellen Ort, an dem Besucher Opfer ablegten. Sie galt als Kontaktstelle zwischen Lebenden und Toten.

In der neuen Mastaba trafen damit zwei verwandte Mechanismen aufeinander: Die Bilder machten landwirtschaftliche Produktion und die Lieferung von Gaben dauerhaft verfügbar, während die Scheintür den Opferakt räumlich bündelte. Belegt ist die heute sichtbare Ungleichheit der erhaltenen Ausstattung; ihre Ursache ist unbekannt.

Euronews berichtet, dass Archäologen das gemeinsame Grab als Zeichen für Yunmins gesellschaftlichen Aufstieg deuten: Der Sohn eines Provinzbeamten sei in die zentrale Verwaltung aufgestiegen und habe sich für ein gemeinsames Schicksal im Grab mit seinem Vater entschieden. Das Ministerium bestätigt das Vater-Sohn-Verhältnis und nennt die Ämter beider Männer. Seine Mitteilung enthält jedoch weder eine Bauabfolge noch eine Aussage darüber, wer die Doppelanlage in Auftrag gab.

Die Scheintür und der Architrav des Ptahschepses aus Kalkstein sind mit Hieroglyphen und Opferbildern bedeckt; Spuren farbiger Bemalung sind erhalten.
Scheintür und Architrav des Ptahschepses aus der 5. Dynastie in Sakkara, fotografiert von Szilas im British Museum und bei Wikimedia Commons unter der Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International veröffentlicht.

 
 

Die Inschriften verbinden Amt und Bild

Namen und Titel geben der Ausstattung einen ungewöhnlich konkreten Verwaltungskontext. Das Ministerium bezeichnet Yunmin als Richter, Hofdirektor und obersten Schreiber, der für die Prüfung von Eingaben und Beschwerden verantwortlich war. Iti wird als Schreiber genannt, dessen Aufgaben die Verwaltung landwirtschaftlicher Flächen und von Opfergaben betrafen.

Dadurch erhalten die Bilder eine zusätzliche Prägnanz. Landwirtschaft und Opfergaben waren in der nördlichen Kapelle nicht nur allgemeine Zeichen des Überflusses; sie erinnern zugleich an die materiellen Systeme, die in Itis Amtstiteln anklingen. An den Wänden erscheint ein idealer, sich stets erneuernder Besitz, während die Inschriften benennen, wie Land, Aufzeichnungen, Beschwerden und Opfergaben im Leben verwaltet wurden. Diese Verbindung ist im amtlich dokumentierten Ensemble sichtbar.

Die UAB charakterisiert die größere Konzession als Friedhof memphitischer Hohepriester. Die zugängliche Mitteilung des Ministeriums führt Yunmin und Iti dagegen über richterliche, höfische und schreiberische Ämter ein. Keiner der beiden wird dort als Hohepriester bezeichnet.

 
 

Was der Befund von Sakkara jetzt belegt

Gesichert sind die Datierung in die Regierungszeit Djedkare Isesis, zwei nach Osten geöffnete Kapellen sowie ihre Zuordnung zu Yunmin im Norden und Iti im Süden. Dokumentiert sind außerdem ihre familiäre Beziehung, ihre Ämter und die unterschiedlichen Bildprogramme. Konservierung und wissenschaftliche Erfassung schaffen nun eine Grundlage, um die erhaltenen Reliefs, Inschriften und Farbreste genauer zu untersuchen.

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