Es gibt viele markante Bäume, und sie zu zeichnen macht viel Spass. Tricky dabei ist, dass sie viele feine Details wie Blätter oder filigrane Blüten haben und dabei schlicht riesengroß sind, was zu einer immensen Menge an Details führt. Als Zeichner gerät man schnell an seine Grenzen, wenn man versucht, jedes einzelne Blatt naturgetreu abzubilden.

Die Hauptaufgabe beim Bäume zeichnen ist daher das Aufräumen und Vereinfachen, ohne dabei den Charakter des Baumes zu verlieren. Wie das geht, erfährst du im Beitrag der Illustratorin Martina Nowak.

 

 

 

 

Was brauche ich

 

Für die Zeichentechnik wie hier gezeigt brauchst du:

 

Wenn du die Baum Zeichnung später einfärben möchtest, achte darauf, dass deine Stifte wasserfest sind. Normale Tinte aus dem Füller ist zum Beispiel nicht wasserfest. Natürlich kann man trotzdem gut mit Füller zeichnen, genauso wie mit Kugelschreiber.

Den Radiergummi verbannst du am besten ganz aus deinem Mäppchen.

Als Papier eignet sich alles mit einer ebenen, leicht rauen Oberfläche. Farblich sind leicht getönte Papiere schön. Ich nehme gerne die Spiralblöcke Canson Sketch für Tusche und Fineliner sowie Canson Recyclé für Bleistiftzeichnungen.

Wenn du beim Baum malen dein Werk später mit Aquarell colorieren möchtest, darf dein Papier nicht zu dünn sein sonst wellt es sich zu stark.

DIN-A4 ist gut zum Mitnehmen, größer schadet nicht. Ich zeichne in meinem Atelier meistens auf DIN-A3. Für unterwegs kannst du ein kleines Skizzenbuch mitführen und immer mal wieder zeichnen.

Noch ein Trick: Achte darauf, dass dein Papier nicht zu teuer ist und du immer genug davon hast. So kommst du nie in die Situation, dass du nur noch einen Bogen von dem tollen Zeichenkarton à 10 Euro das Blatt hast und die Zeichnung gezwungenermaßen sofort ein Meisterwerk werden muss. Unter solchem Druck klappt das nämlich fast nie ;).

 

baum zeichnen

 

 


 

Wie fange ich mit dem Baum malen an

 

Ganz einfach: rausgehen. Gehe so oft du kannst mit Stift und Papier raus und zeichne am lebenden Objekt. Suche dir dazu einen einzigartigen Baum aus, zum Beispiel eine alte Dorflinde, ein Apfelbaum auf einer Streuobstwiese, oder auch einen Bonsai. In den Links unten findest du Tipps, wie man solche Bäume findet.

Die beste Jahreszeit für deinen ersten Baum: der Winter. Hier kannst du ohne störende Blätter oder Unterholz ganz der Wuchsform der Äste folgen.

Betrachte den Baum. Was macht ihn aus? Ist er in sich verdreht, besonders knorrig, hat eine besonders glatte Rinde, wurde er vom Wind in eine Richtung verformt? Steht er vielleicht an einem Felsabbruch kurz vor dem Absturz?

Sieh ihn als ein lebendes Wesen, das sich bewegt, vielleicht sogar tanzt – nur eben sehr langsam.

 

Den Baum in die Szene einordnen

Beginne nun auf einem Blatt Papier das komplette Erscheinungsbild des Baumes in kleinen, groben Skizzen festzuhalten. Beziehe dazu sein Umfeld ein. Hebt sich die junge Buche hell von dem dunklen Nadelwald ab? Steht die Linde kräftig mit dunklem Stamm vor einer weiß getünchten Kapellenwand?

Diese kleinen Baum Skizzen dienen nur dazu, die grobe Verteilung von hellen und dunklen Bildbereichen festzulegen, man muss noch gar nichts darauf erkennen können.

baum zeichnung

 

Sich an den Baum herantasten

Nun nimmst du ein zweites Blatt Papier und zeichnest einzelne Teile des Baums. Ein Stück Stamm, einen jungen Ast, das Muster der Borke oder Blätter. Die Proportionen müssen nicht 100% mit dem Modell übereinstimmen, zeichne locker. Versuche dabei, mit möglichst wenig Strichen den Charakter des Baumes festzuhalten. Du kannst dabei schraffieren, punkten, kritzeln, probiere mehrere Techniken aus und schaue, was am besten zum Charakter des Baumes und zu dir selbst passt.

Taste dich langsam an die richtige Mischung aus Vereinfachung und deutlicher Darstellung. Als Übung kannst du zum Beispiel die einzelnen Teile, z.B. Blätter, auf strikte geometrische Formen reduzieren. Dann zeichnest du diese Formen aus verschiedenen Blickwinkeln. Setze sie zu Gruppen zusammen und schaue, welche Striche und Linien du dabei weglassen kannst.

blaetter zeichnen

Eine andere Technik ist, die Formen aus lauter unterschiedlich schraffierten Dreiecken aufzubauen. Hier machen Licht und Schatten die Form. Denke dabei immer an die Vereinfachung.

Zur Erinnerung: Radiergummi verboten! 😉

  

 

Die Baum Zeichnung aufbauen

Nun beginne mit deiner eigentlichen Zeichnung. Diese muss nicht sofort gelingen, du kannst ruhig auch mehrfach beginnen. Spätestens deine dritte Zeichnung solltest du aber fertigstellen, auch wenn du mit manchen Stellen nicht ganz zufrieden bist. Mit jedem Bild wirst du besser.

Beginne grob mit den Bewegungslinien, zum Beispiel dem spiralig verdrehten Stamm. Nutze dazu einen ganz feinen Stift und deute die Linien nur sachte an.

Zur Ausarbeitung finde heraus, wo beim Baum Vollschatten ist, z.B. unter einem Ast, in einem Loch, und färbe diese Stellen Schwarz. So hast du bereits skelettartig die Form definiert.

Nun schaue, wo das meiste Licht hinfällt. Merke dir das, denn diese Stellen lassen wir frei. Den Rest kannst du nun in einem schönen Verlauf von dunkel nach hell ausarbeiten. Nutze dazu deine vorhergehenden Skizzen. Bleibe dabei locker, und füge Details erst zum Schluss hinzu.

Das Blätterdach deutest du nur an. Folge dem Spiel von Licht und Schatten. Zum Schluss kannst du noch einzelne Blätter genauer definieren und hervorheben, und zwar in den helleren Bereichen.

wald zeichnen

Spätestens jetzt kannst du auch mit der restlichen Szene beginnen. Du muss dabei nicht das ganze Format füllen, es kann auch attraktiv wirken wenn die Szene und das Umfeld des Baumes nur leicht angedeutet ist. Auch das Umfeld solltest du vereinfachen, und zwar noch stärker als den Baum – denn dieser soll ja das interessanteste Objekt im Bild bleiben.

Denke daran, dass die Details einer Szene immer verschwommener werden und die Kontraste immer mehr abnehmen, je weiter man nach hinten kommt.

Zeichne so viele verschiedene Bäume wie du kannst, gerne auch mehrmals. Du kannst auch Fotos nutzen, aber lebende Bäume sind als Modell besser. Deine Zeichnung wird dadurch ganz automatisch lebendiger.

 

 


 

Eigene, fiktive Bäume zeichnen

 

Denke dir für deinen fiktiven Baum eine Szene aus. Wie ist die Stimmung, ist sie schaurig, traurig, sonnig, friedlich? Zu schaurigen Szenen passen verkrümmte Bäume ohne Blätter und mit abgefallener Rinde und abgebrochen Ästen. Zu einem friedlichen Platz passt ein großer, alter und schön gewachsener Baum im vollen Blätterkleid.

Oder möchtest du eine ganz bestimmte Baumart mit ihren typischen Merkmalen abbilden?

In jedem Fall empfiehlt es sich, so viel wie möglich über die Biologie verschiedenster Bäume sowie ihren Lebensraum zu lesen, sie zu besuchen, zu bestimmen sowie Fotos anzuschauen.

Nun gehst du mit den gleichen Schritten vor wie beim Zeichnen echter, lebender Bäume. Versuche wieder, Bewegung in deinen Baum zu bekommen, und lege fest woher das Licht kommt. Die Schritte hast du ja schon an echten Bäumen geübt und kannst sie nun bei deinem fiktiven Baum umsetzen.

Vielleicht legst du dir ja auch ein zeichnerisches Vokabular an, wo du in einem kleinen Büchlein verschiedene Elemente wie Wurzeln und Rinde und deren zeichnerische Umsetzung festhältst. Scheue dich nicht, zu experimentieren.

Ich gehe dabei oft so vor, dass ich zuerst mit Non-copy-Blaustift die groben Linien ziehe und diese dann mit Bleistift näher definiere. Mein eigentliches Papier für die Zeichnung lege ich dann darüber, und habe so einen groben Anhaltspunkt. Falls der Bogen zu undurchsichtig ist, hilft ein Fenster oder ein Leuchttisch.

 

 


 

Für Fortgeschrittene: Kolorieren

 

Bäume wirken schon in schwarzweiß beeindruckend schön. Färbe daher deine Zeichnung nur sparsam ein. Zum Beispiel kannst du Herbstlaub mit einer oder zwei Farben hervorheben. Vorsicht: besonders bei Grüntönen nicht zu bunt werden, sondern dein Grün mit Beimischung von Rot abschwächen.

Den Stamm kannst du mit Aquarell oder bunter Tusche zart kolorieren. Nimm dazu aber kein Braun – unser Gehirn sagt uns zwar, dass Baumstämme braun sind, aber das stimmt nicht ganz. Die Schatten ziehen die Farben ins bläuliche. Die Sonne scheint dagegen in warmem Goldgelb auf die hellen Stellen. Hab den Mut, die blauen und orangen Farben etwas zu übertreiben, dies macht deinen gemalten Baum lebendig.

bäume zeichnen

 

 


 

Bücher und Gruppen

 

Auf www.baumkunde.de erfährst du viel über einzelne Baumarten und es gibt ein Register, wo du besonders alte Bäume finden kannst.

Topografische Karten und Wanderkarten der Vermessungsämter und Wandervereine verzeichnen oft eindrückliche Bäume. So mancher Baum lohnt einen Ausflug. Tolle Bäume wachsen auch in großen Höhen an zugigen Plätzen. Fürs Zeichnen da oben eine dicke Jacke und Wäscheklammern einpacken.

Das Buch Wasserfarbe für Gestalter von Felix Scheinberger zeigt unterhaltsam, wie man Tuschzeichnung, Aquarell und das Zeichnen draußen im Freien kombinieren kann.

 

Wasserfarbe für Gestalter von Felix Scheinberger
  • Tipps und Tricks aus der Praxis: Wie koloriert man Skizzen?
  • Alles rund um die Farblehre
  • Ausführliche Anleitung für das Lasieren und Lavieren.
  • Empfehlungen von sinnvollen Hilfsmitteln
Bei Amazon ansehen

 

 


 

Zum Schluss…

 

…möchte ich noch etwas Werbung für den Schutz unserer Natur machen.

Bäume sind überraschend sensibel. Wenn zu viele Menschen im Bereich ihrer Wurzeln herumtrampeln, verdichtet sich der Boden und der Baum bekommt Probleme.

Wer viel reist, kann mit seiner Kleidung versehentlich Krankheiten übertragen. In Großbritannien grassiert zum Beispiel ein hochansteckender Erreger, der Koniferen dahinrafft.

Dies und mehr sollte man beachten, um den Bäumen nicht unabsichtlich zu schaden.

 

 

martina nowak

Martina Nowak

Die Illustratorin Martina Nowak lebt und arbeitet in ihrer Wahlheimat Murrhardt im Herzen des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald. Geboren und aufgewachsen ist sie auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald, wo sie auch heute noch oft Wanderungen in die Natur unternimmt. Als gelernte Medienfachwirtin machte sie Karriere in der Druck- und Medienbranche und begann 2008 nebenberuflich mit Illustration. Seit 2017 ist sie selbständig als Illustratorin und hat sich auf Tier- und Naturdarstellungen spezialisiert. Sie zeichnet sowohl traditionell mit Fineliner, Tusche und Aquarell als auch digital und erstellt Infografiken, Schautafeln, naturgetreue Zeichnungen von Pflanzen und Tieren für Bücher und Portraits. Am liebsten zeichnet sie Pferde und natürlich Bäume.

www.martinanowak.de

https://www.instagram.com/martinanowakillustration/

https://www.facebook.com/martinanowakillustration/

 


 

 

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Dann freuen wir uns über deine Bewertung.

 

Baum zeichnen – Charaktervolle Bäume skizzieren leicht gemacht
4.6 (92%) 15 Bewertungen

malen-lernen.org ist das Informationsportal für alle Maltechniken. Du findest bei uns alle Infos für deinen Einstieg in die Acryl-, Oel-, Aquarell- oder Pastellmalerei. Ebenso für Mixed Media, Fluid Painting und das Zeichnen lernen. Auch für fortgeschrittene Hobbymaler und Künstler haben wir immer wieder neue, spannende Artikel bereit.

Maltechniken

Acrylfarbe kaufen – Finde die perfekten Farben für deine Kunst

  Die Acrylfarbe hat sich zum beliebtesten Malmedium überhaupt gemausert. Dementsprechend viel Auswahl hast du als Künstler. Doch welche Farben eignen sich für welche Anwendung? Neben dem Preis gibt es auch andere Unterschiede in Qualität, Pigmentierung,...